Wie gelingt ein Dialog?

6 Min. 02.07.2020 Mag. Eva Woska-Nimmervoll

Mit der richtigen Grundhaltung: gelassen und offen. 4 Phasen helfen dabei das Gegenüber wirklich zu verstehen. Mit dem Hernstein Entwicklungsprogramm Living Leadership ändern Sie die Perspektive: weg von den Techniken, Methoden und Werkzeugen hin zum Menschen - zweiter Teil des Erfahrungsberichts von Eva Woska-Nimmervoll.

Das nächste Modul von Living Leadership in Hernstein, herzlich begrüßen wir einander. Ich sitze ein bisschen auf Nadeln. Im Büro wartet die Arbeit und ich sitze hier im Schloss und gönne mir den Luxus der Fortbildung. Andererseits: Das Entwicklungsprogramm hilft mir ja gerade bei meiner Arbeit. Und es geht ja auch im Beruf um mich. Welchen Stellenwert hat die persönliche Entwicklung – geht es mehr um meinen Job oder um mich als Person?
Dazu passt die Frage, die uns Markus gleich zu Beginn stellt: Was ist eine Person und was macht sie aus?  Wie kommt man drauf, was hinter dem Erscheinungsbild liegt? Spannend. Der Wissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut Viktor Frankl sagte dazu: "Person ist das Freie im Menschen." Er meint damit unsere Autonomie, Entscheidungen zu treffen. Wann spüre ich das Freie in mir, ab wann entscheide ich selbst? Darüber will ich nachdenken.

Einen Sinn im Leben finden

Markus Merlin beruft sich immer wieder auf Viktor Frankl. Ich habe den Eindruck, Frankl ging es darum, die positiven Seiten des Lebens zu betonen, nicht nur an den negativen herumzudoktern. Seine Existenzanalyse und Logotherapie sind Methoden, die den Menschen helfen, auch in schwierigsten Lebenssituationen einen Sinn im Leben zu erkennen. Frankls Ansätze sind leicht zu verstehen, für Laien gut nachvollziehbar und im Führungsalltag mehr als nützlich. Denn auch – oder gerade – wenn im beruflichen Umfeld die Rahmenbedingungen kaum zu ändern sind, kommt es auf die Haltung, Einstellung bzw. das Selbstverständnis an, mit dem wir an unsere Arbeit herangehen. Es liegt in unserer Verantwortung, unserer Arbeit Sinn zu geben.

Es geht nicht nur um die Sache

Ich überlege, was für mich ein persönliches Gespräch ausmacht, wie ich von allgemeinem Geplänkel wegkomme. In der anschließenden Diskussion wird klar: Ein Gespräch wird persönlich, wenn es darum geht, wie es uns geht. Oft wollen wir uns ja bemühen, bei der Sache zu bleiben. Aber meist spielt unsere Haltung zur Sache, also die eigene Bewertung – zumindest unbewusst – eine Rolle. Ich ahne, dass es kaum ein rein sachliches Gespräch gibt. Außer man handelt Dinge ab, die sich objektiv messen lassen wie Berichte und wissenschaftliche Erkenntnisse. Oder es bleibt bei einem oberflächlichen Austausch. Wollen wir in die Tiefe gehen, braucht es mehr.

So kann ein Dialog gelingen

Markus beschreibt uns die Grundhaltung, mit der man sich auf ein solches Gespräch einlassen sollte: gelassen und offen – ohne Vorurteile oder Eigeninteressen. Dazu gehört auch, nicht voreilig zu interpretieren. In dieser Haltung habe ich zwar ein eigenes Anliegen, konzentriere mich aber zu allererst darauf, mein Gegenüber wirklich zu verstehen. Sich dem oder der anderen zuzuwenden und im Augenblick ausschließlich für ihn oder sie zu interessieren, ist wichtig. Ein Dialog kann gelingen, indem man beim Anfragen gewisse Phasen durchläuft. 

Fragen für die 4 Phasen eines Dialogs

1. Was liegt vor? Worum geht es?
– zur Klärung des Sachverhalts

3. Wie stehst du dazu? Wie wichtig ist dir das? Welche Bedeutung hat es für dich?
– zur Stellungnahme

2. Wie geht es dir damit? Wie ist das für dich?
– zur Beschreibung der Eindrücke

4. Was willst du tun? Was brauchst du dazu? Wie kannst du realisieren, was du willst?
– um eine Lösung/ Handlung herbeizuführen

Das Modell gefällt mir. Als wir es dann mit Themen aus unserem Alltag ausprobieren, ist es gar nicht so einfach, aufmerksam zuzuhören und dabei die einzelnen Dialogphasen einzuhalten. Wo endet eine Phase und wo beginnt die andere? Markus rät, uns nicht stur an das Schema zu halten, sondern uns die Phasen einfach bewusst zu machen. Wichtig ist, dass wir bei der anderen Person bleiben und ihr nicht unsere eigenen Sichtweisen aufdrängen – und das ist etwas, das wir im Führungsalltag täglich brauchen können. 

 Auch nachzulesen unter: https://www.hrweb.at/2020/07/living-leadership-hernstein-2/

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