Mit den Prinzipien des Tauchens Ihr Leadership-Potenzial steigern

5 Min. 12.05.2016 Mag. Monika Herbstrith-Lappe

Vom Tauchen lässt sich viel für das Business lernen. Lesen Sie hier im 2. Teil, welche Prinzipien des Tauchens sich auch im trockenen Führungsalltag bewähren. Tauchen Sie ab und lesen Sie, welche Leadership-Kompetenzen es für eine souveräne Teamführung braucht.

Momente der Wahrheit

Nichts prägt das Verhalten, die Produktivität und die Motivation der Mitarbeitenden mehr als das Vertrauen der direkten Führungskraft in kritischen Situationen. Bei „Schönwetter“ freundlich zu reden ist das eine. In „stürmischen Zeiten“ vertrauenswürdig zu agieren das andere. Worte vermitteln, wie wir sein wollen. Taten bestätigen, wie wir tatsächlich sind. Mit den Worten von Warren Buffett: „Man muss auf die Ebbe warten, um zu sehen, wer nackt schwimmt.“ In kritischen Situationen steht das Vertrauen der Mitarbeitenden auf dem Spiel – das bekanntlich leicht einbricht und nur mehr sehr schwer herzustellen ist. Vertrauen ist ein fragiler Erfolgsfaktor. Mit den Worten von Hans Christoph von Rohr: „Kapital lässt sich beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muss man gewinnen.“

Achtsame Lebensführung durch bewusste Entscheidungen

In der Nachkriegsgeneration war häufig das Lebensmotto „Erdulden, erleiden und ertragen“. Dem stelle ich den Appell gegenüber: „Mein Leben in die Hand nehmen, gestalten und auskosten.“ Die gute Nachricht: Wir haben als erwachsene Menschen 20+ viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten, als wir auf den ersten Blick wahrnehmen. Viktor Frankl hat schon gemeint: „Die schlimmsten Mauern sind die Mauern in unserem Kopf.“

Viele von uns kennen die Volksweisheit „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Wir waren auch einmal fest davon überzeugt, dass unsere Erde eine Scheibe ist, um die sich die Sonne dreht. Es gibt sogar Menschen, die das noch immer glauben. Die gute Nachricht der Neurowissenschaften: Unser Hirn bleibt bis ins hohe Alter äußerst plastisch und lernfähig – besonders, wenn wir es gut trainieren. JETZT können wir uns entscheiden, aufbauend auf dem Bewährten, das, was uns nicht gut tut, zu ändern, zu überwinden, anders zu sehen.

Führen im Sandwich

Führungskräfte stehen meist in einem Spannungsfeld zwischen Führen und Geführt-Werden, das häufig von einem Loyalitätskonflikt zwischen dem Unternehmen und dem geführten Team geprägt ist. Einerseits sind sie von so mancher Entscheidung selbst betroffen. Andererseits soll man die Umsetzung ausführen und mittragen. „Mit welchen Aspekten getroffener Entscheidungen kann ich mich anfreunden?“ und „Mit wem kann ich meine eigene Betroffenheit reflektieren?“ sind zielführende Fragen, um dann dem Team gegenüber glaubwürdig zu vermitteln, dass nicht mehr das WAS, sondern nur mehr das WIE gestaltet werden kann. Selbst eine gute Standfestigkeit zu haben ist eine gute Voraussetzung, dass es uns nicht am falschen Fuß erwischt. Das Fundament für konstruktives Agieren ist das Erfolgsdreieck: Ja zu mir, Ja zu meinem Gegenüber und Ja zu meinen Zielen, Themen und Inhalten.

Selbststeuerung und Eigenwirksamkeit im Team

Beim Tauchen wird größter Wert auf Selbststeuerung und Eigenwirksamkeit gelegt. Auf den meisten Tauchbasen ist es mittlerweile Pflicht, mit einem Computer zu tauchen, der Zeit und Tauchtiefe anzeigt – im Sinn des Grundsatzes „What you can’t measure you can’t manage.“ Kluges Zeitmanagement ist gefragt: Wie lange kann ich in welcher Tiefe bleiben, um einerseits das Blut nicht mit Stickstoff zu übersättigen und andererseits den Luftverbrauch so zu steuern, dass ich die Tauchzeit von einer Stunde auskosten kann. Bei vielen Tauchgängen heißt es auch, die Tauchzeit und den Luftverbrauch so einzuteilen, dass man sicher zum Boot zurückkehren kann – unter Berücksichtigung unterschiedlicher Tauchtiefen und unter Umständen verschiedener Strömungsverhältnisse beim Hin- und Rückweg. Getaucht wird prinzipiell im Buddy-Team, um sich gegebenenfalls gegenseitig helfen zu können. Der/Die Einzelne trägt Verantwortung für sich und den anderen oder die andere.

Dialogische Führung im Buddy-Team

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Erfahrene Taucher und Taucherinnen tauchen häufig ohne einen Guide zu zweit. Partnerschaftlich übernimmt einmal der/die eine die Tauchführung und dann wieder der/die andere. Richtungs- und Höhenänderungen werden vorher miteinander abgestimmt. Bei Entscheidungen in kritischen Passagen kann es auch vorkommen, dass der momentan Führende entscheidet – ohne dass man sich davor austauscht. Der/Die andere folgt. Wir (er-)leben unter Wasser das, was uns auch im Trockenen so wichtig und wertvoll ist: eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung, Verständnis, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit. Für Hochleistungsteams gilt: „Together everybody achieves more.“ Gemeinsam spornt man sich an und unterstützt sich gegenseitig, um gemeinsame Erfolge zu erzielen und auszukosten.

Den ersten Teil des Beitrags können Sie hier nachlesen.