Kluge Selbst-Steuerung, um souverän ein Team zu führen

5 Min. 23.03.2016 Mag. Monika Herbstrith-Lappe

Vom Strömungstauchen für das Business lernen:

Beim Tauchen mit Strömung kann man Eigenwirksamkeit intensiv trainieren: Einerseits wird man durch die Strömung massiv fremdgesteuert und andererseits kann man durch die Veränderung der Körperhaltung und Flossenstellung die eigene Bewegung steuern. Kein Nachteil ohne Vorteil: Dort wo starke Strömung vorherrscht, sind häufig auch viele und große Fische.

Kluger Umgang mit Strömungen

Gegen starke Strömung anzukämpfen wäre sinnlos und würde zu einer drastischen Erhöhung des Luftverbrauchs führen. Viel besser ist es, Strömungsschatten zu nutzen und seitlich zur Strömung das Ziel anzupeilen. Wissen über Strömungsgesetzmäßigkeiten wie etwa den Verlauf der Strömungsintensität und Technik ist zielführend und hilft, die Kräfte ökonomisch einzusetzen. Schon Conrad Celtis hat gemeint: „Wer klug ist, ändert mit den Umständen seinen Plan.“ Auch bei bester Ortskenntnis, gutem Briefing und Strömungs-Check vor Beginn des Tauchgangs kann es sein, dass z. B. die Strömung plötzlich dreht oder massiv stärker wird. Dann gilt es, einen Plan B zu aktivieren. Meist wird natürlich mit der Strömung und nicht gegen sie getaucht. Gut im Fluss kann man dann einfach vorankommen und beglückende Begegnungen auskosten.

Annehmen, was ist

Die Dynamik unseres beruflichen Umfelds heißt in der Tauchsprache „Waschmaschine“: sich immer wieder ändernde, schwer kalkulierbare Strömungen. Liebend gerne hätte ich mehr Einfluss auf die gesellschafts-, wirtschafts- und sozialpolitischen Strukturen. Meine Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch beschränkt. Also versuche ich, innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen Bestmögliches zu bewirken. Ganz im Sinn des alten Gelassenheitsgebets von Christoph Friedrich Oetinger: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Sich mit Unveränderlichem im Sinn von Erich Frieds Ausspruch „Es ist, wie es ist, sagt die Liebe“ auszusöhnen und zu arrangieren, ist gesund. Zu resignieren wäre der toxisch-ungesunde Doppelgänger. Bei Ersterem bleibe ich in meiner Souveränität, bei Letzterem fühle ich mich, als hätte ich verloren. Humor ist der Regenschirm des Lebens. Klug ist die Einstellung von Karl Valentin: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Eigene Gestaltungmöglichkeiten wahrnehmen

Eine wichtige Führungsaufgabe besteht darin, klar zu kommunizieren, was vorgegeben und was gestaltbar ist. Mathematisch-topologisch ist völlig klar: Jeder Rahmen hat ein Inneres. Manchmal gilt es genau hinzusehen, um innerhalb der Regeln und Standards die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen. Karl Valentin formuliert den vorauseilenden Gehorsam vieler zur Artigkeit erzogener Menschen pointiert: „Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Ich habe das auch umgepolt zu: „Wir wollen müssen, weil sonst müssen wir wollen.“ Auf jedes „Du musst …“ geht ein „Ja, aber …“ leicht über die Lippen. Druck erzeugt Gegendruck. Zu müssen befreit den Einzelnen von seiner Eigen-Verantwortung der Entscheidung. So wie WIR zur verteilten Verantwortungslosigkeit führt: Jeder könnte es machen, und wenn es keiner macht, kann jeder die anderen beschuldigen. „Wir müssen es noch vorbereiten“ heißt im Klartext: „Ich habe keine Lust und erwarte, dass die anderen es erledigen.“ Kaiser Joseph II. hat noch appelliert: „Ich brauche keine Beamten, die mitdenken, sondern solche, die die Pflicht erfüllen.“ „Frage nicht! Überlasse das Denken uns! Erfülle deine Aufgaben!“ ist auch die Logik der Aufgabenteilung im Taylorismus. Böse Zungen behaupten ja auch, dass TEAM für „Toll, ein anderer macht es!“ steht.

Fesseln im Kopf lösen

Weit verbreitet ist erlernte Hilflosigkeit: Es sollte uns zu denken geben, dass man einen erwachsenen, dressierten Elefantenbullen an einem kleinen Stock festbinden kann. Tagsüber räumt er riesige Felsbrocken für den Straßenbau aus dem Weg oder reißt riesige Bäume aus. Da erscheint das Anketten an ein so schwaches Teil völlig absurd. Der Elefant hat allerdings als Baby gelernt, dass es höllisch schmerzt, an der Kette zu ziehen, und dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist. Irgendwann ist die Wut des kleinen Elefanten in Resignation umgeschlagen, die so tief sitzt, dass er jetzt mit den Kräften eines ausgewachsenen Tiers nicht einmal den kleinsten Versuch unternimmt, freizukommen.

Wir alle haben viele solcher Fesseln in unseren Köpfen. Vieles, was in unserer Kindheit kluge Überlebensstrategien waren, sind jetzt im Erwachsenenleben einengende Kapseln. Wir glauben, circa 60.000 Gedanken pro Tag bewusst zu denken. Tatsächlich denken wir von diesen nur circa 2 bis 5 Prozent neu. Der Rest ist „hirnneuronales Geschwätz“: Die Neuronen pfeffern aus reiner Gewohnheit eingeprägte Muster. Daher der Appell: „Don’t believe everything you think.“

Sich selbst klug führen, um das Team souverän führen zu können

Wir sprechen von Lebensführung. Doch FÜHREN wir wirklich unser Leben? Hand aufs Herz: Leben Sie oder werden Sie erlebt? Ich ermutige Sie, das Lenkrad für Ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sich selbst klug zu führen ist die Grundvoraussetzung, um andere souverän führen zu können. Eines der Sanitäter-Prinzipien lautet: „Selbstschutz geht vor Fremdschutz.“ Wenn man selbst nicht gut drauf ist, kann die Motivation des Teams nicht funktionieren.

Den zweiten Teil des Beitrags können Sie hier nachlesen.