Führen im Zeitalter der Disruption

8 Min. 16.07.2020 Mag. Thomas Böhm

Nur Unternehmen, die sich schnell an neue Situationen anpassen können, werden künftig erfolgreich sein. Was bedeutet das für Führungskräfte? 

Buzzword Disruption: Gemeint ist damit die (Zer-)Störung bestehender Geschäftsfelder durch Innovationen. Anfang 2020 hat dieser Begriff eine neue Bedeutung bekommen. Einen wesentlichen Teil des Wirtschaftens von einem Tag auf den anderen stillzulegen oder gänzlich in den digitalen Raum zu verlegen – das hätte bis vor kurzem niemand für möglich gehalten. Es ist anzunehmen, dass solche Störungen wieder auftreten werden, sei es durch neue Technologien oder Viren. Kurz gesagt: Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit. Jetzt sind Führungskräfte besonders gefordert, weil ihr bewährtes Repertoire oft nicht mehr ausreicht. Für sie stellen sich einige Fragen:

Wie kann ich gut entscheiden?

Die Organisationen und ihre Umwelten können in ihrer Komplexität nicht mehr von einzelnen Führungskräften überblickt werden. Postheroisches Management nennt das Dirk Baecker (Postheroisches Management: Ein Vademecum. Merve Verlag, Berlin 1994), also Führung ohne alles überblickende Helden. Wir beobachten, dass sich andere Organisationsformen etablieren, in denen vermehrt Kollektive Verantwortung übernehmen. Das erfordert effiziente Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse, in die das spezifische Wissen vieler einfließt. Diese Prozesse werden von Führungskräften eher moderiert als geleitet.

Wie kann ich strategisch führen?

Oft sind Strategien schon überholt, noch bevor das PowerPoint-Slidedeck dazu freigegeben ist. Die Arbeit an Strategien verändert sich damit vom Denken in Zyklen hin zu einem permanenten Prozess. Strategien werden kurzfristiger und ähneln dem Navigieren im Nebel – dazu braucht es andere Führungsmethoden.

Wie kann sich mein Unternehmen anpassen?

Systeme ändern sich aufgrund von Reizen, die für gewöhnlich aus der Umwelt kommen. Eine Transformation, die sich von einem Change-Prozess zum nächsten vorarbeitet, wird den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht. Vielmehr braucht es "Instant Governance", also die mehr oder minder unmittelbare Anpassung der Organisation in ihren Strukturen und Regeln an die jeweilige Situation. Für mittlere bis größere Organisationen, die sehr viel in ihren Status quo investiert haben, eine Herausforderung.

Führungs­kräfte sind daher gefordert, ihr Repertoire zu erweitern

Gefragt sind heute Führungskräfte, die der Vielfältigkeit und Unsicherheit mit neuen Methoden und vernetzten Strukturen begegnen und die mit verteilten Autoritäten in gut moderierten Kollektiven umgehen können. Und das, während klassische Organisationsmuster weiterhin gültig sind. Wie gelingt es, adäquat auf die genannten Phänomene zu reagieren? Unter anderem durch:

  • Haltung: Eine stabile innere Haltung hilft, die äußere Instabilität zu tragen. Dabei ist einerseits die Fähigkeit zur Reflektion wichtig; es bedarf einer geübten Selbstwahrnehmung. Andererseits braucht es dazu ein klares Rollenbild.

  • Mindset: Die Einstellung bestimmt das Ergebnis. Es braucht eine auf die Zukunft gerichtete Einstellung, die die Ungewissheit akzeptiert und im Chaos Möglichkeiten erkennt.

  • Orientierung: Gerade in instabilen Situationen braucht es Orientierung – durch Visionen oder Werte. Oder in dem man sich auf den Purpose besinnt, also den eigentlichen Grund, warum die Organisation existiert.

  • Dynamische Steuerung: Im "Nebel der komplexen Umwelt" fährt man am besten auf Sicht. Auch wenn man im Großen und Ganzen weiß, wo man hinwill, nimmt man die unmittelbaren Steuerungsimpulse in kleinen Schritten vor: sense – decide – move – und das immer wieder.

  • Digitale Kompetenz: Auf unterschiedlichen Kanälen parallel zu kommunizieren, zu planen und zu entscheiden und dabei neue Technologien rasch zu integrieren – das wird von Führungskräften erwartet. Während des Lockdowns haben bereits viele bewiesen, dass sie es können.

  • Adäquate Methoden: für die zentralen Felder Strategie, Innovation und Transformation – und um Entscheidungsräume unter Einbeziehung vieler zu gestalten und zu moderieren. Next Organizing, New Work & Co. tragen dazu bei, Ihren Alltag zu vereinfachen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Führungskräfte, die diese Themen reflektiert haben, wesentlich stabiler durch dynamische Situationen steuern. Und damit auch den Mitarbeitenden mehr Orientierung und Sicherheit vermitteln.

Auch wenn vieles von all dem für uns alle noch ungewohnt ist – Sie können sich darauf einstellen. Im Hernstein Executive Program erweitern Sie Ihr Repertoire für die dynamische Welt.

1. Haltung klären und Führungsrolle schärfen:

Es braucht eine klare Haltung, die Stabilität gibt und hilft, die Herausforderungen zu bewältigen. Hinterfragen Sie Ihre Glaubenssätze und gestalten Sie aktiv Ihre Rolle. Setzen Sie sich dafür mit den Widersprüchen von Führung auseinander und finden Sie tragfähige Lösungen, auch in Krisen.

2. Organisationen und Teams steuern:

Erproben Sie neue Führungs- und Organisationsmodelle und wählen Sie jene, die am besten zu Ihnen und Ihrem Team passen. Für eine klare Vision mit gemeinsamem Ziel. 

3. Komplexität nutzen und Innovation treiben:

Wie können Sie Ihre Zukunftsfähigkeit in diesem dynamischen Umfeld sichern? Erfahren Sie, wie Sie in einer komplexen Umgebung Muster und Trends festmachen und wie Sie sich und andere in der ständigen Veränderung führen.

4. Strategie umsetzen und Veränderung gestalten:

Wie lassen sich Flexibilität und Agilität mit einer längerfristigen strategischen Planung verbinden? Und wie können Sie erforderliche Veränderungen nachhaltig auf Schiene bringen?