Stress lösen, nicht bekämpfen

5 Min. 12.09.2013 Dr. Michaela Trnka

Was ist eigentlich Gesundheit? Die ganzheitliche Medizin versteht darunter das emotionale, geistige und körperliche Wohlbefinden. Ein gesunder Mensch ist im Gleichgewicht, passt sich optimal an die Anforderungen des täglichen Lebens an. Dieser Prozess kann sich aber zu jedem Zeitpunkt drehen. Wenn wir uns längere Zeit gegen äußere Einflüsse wehren, ist das eine Belastung für den Körper. Dann kommt es zu Krankheit. Sie ist Ausdruck dafür, dass das ausgewogene Zusammenspiel der Funktionen unseres Körpers gestört ist.

Stress: Ständig gegen den Strom schwimmen

Die Zeit schreitet rasant voran. Die Fähigkeit, sich dem anzupassen, kann damit oft nicht Schritt halten. Auch die großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche der vergangenen Jahre haben Unsicherheit und das Gefühl von Kontrollverlust hervorgerufen. Die Kluft zwischen dem, was tatsächlich ist, und der eigenen Erwartungshaltung wird immer größer: Man versucht eine Situation aufrechtzuerhalten – und gleichzeitig fordern äußere Gegebenheiten eine Anpassung. In diesem Konfliktfeld schwimmt man ständig gegen den Strom. Das erschöpft Körper und Geist – und bereitet den Nährboden für Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen.

Stark gegen Stress: Resilienz und Selbstmanagement fördern

Wie aber geht man am besten mit Stress um? Nicht, indem man ihn bekämpft, sondern indem man ihn löst. Denn wer Widerstand mit Widerstand begegnet, macht die Situation nur noch schlimmer. Ein ganz einfacher Ansatz – wie aber lässt sich Stress lösen? Zunächst einmal: Nehmen wir an, dass wir gestresst sind, und scheuen wir uns nicht, das auch zuzugeben. Damit ist die Angst vor dem Stress genommen, der Mythos ist entzaubert. Nun heißt es zu überlegen: Welchen Schritt kann ich als Nächstes setzen? Legen Sie rasch die Siebenmeilenstiefel ab: Es bedarf oft nur kleiner, einfacher Schritte, um Veränderungen hervorzurufen – bei Ihnen selbst und bei Ihrer Umwelt.

Dafür hat sich die ABC-Regel bewährt:

  • A – Anerkennen: Das ist eine Situation, die mich stresst.
  • B – Beobachten, und zwar die Situation und den Auslöser:Wie reagiere ich?
  • C – Causalität: Was ist es, das mich stresst? Womit hängt es zusammen? Was kann ich jetzt tun?

Gesundes Führen: Stressmanagement vorleben

Hier Gesundheit der Beschäftigten, da Management? Ein Denkfehler, der noch allzu sehr in den Köpfen von Führungskräften verankert ist. Vor allem jenen, die eine steile Karriere gemacht haben und gern arbeiten, ist der eigene Stress oft nicht bewusst. Wie sollten sie dann den Stress, der auf ihrem Team lastet, abschätzen können? So macht sich ein Klima des Unverständnisses breit, in dem Motivation und Wertschätzung leiden.

Tatsächlich hat die Unternehmens- und Führungskultur wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie planen, ein Gesundheitsförderungsprogramm in Ihrem Unternehmen zu starten? Dann beziehen Sie die Führungskräfte von Anfang an in den Prozess ein. Denn Unternehmensziele und Gesundheitsbedürfnisse der Menschen, die in Ihrem Unternehmen arbeiten, müssen vereinbar sein. Gesundes Führen kann nur mit einem entsprechenden Managementstil gelingen, sprich: weg vom hierarchischen Denken, hin zu einem partizipativen Austausch. So wird sich auch das kleinste Rädchen im Gefüge wahrgenommen fühlen. Wieder ein Stressfaktor weniger.