Welche Art Führungskraft wollen Sie sein?

5 Min. 08.05.2015 Barbara Friesenbichler

Ich stelle in vielen Workshops und Coachings die Frage: „Was hat Sie dazu bewogen, Führungskraft zu werden?“ In vielen Fällen erhielt ich Antworten wie: „Weil ich ernannt worden bin“, „Weil ich Karriere machen wollte“, „Weil ich Chef sein will“, „… der nächste logische Schritt …“
Das macht mich ziemlich nachdenklich. Diese Antworten klingen nicht danach, als wäre die Entscheidung dieser Personen in dem Bewusstsein gefällt worden, dass Führung nicht nur mit Macht, sondern auch mit viel Verantwortung verbunden ist und es vor allem um jene Menschen geht, die man sich zu führen bereit erklärt hat.

Echtes Leadership ist eine Einstellung und kein Tool

Kürzlich hörte ich allerdings auch: „Man muss Menschen mögen, um eine gute Führungskraft zu sein.“ Das trifft es punktgenau. Führung ist eine bewusst gewählte, verantwortungsdichte und dienende Rolle. Das haben all jene begriffen, die man dann letztlich als „charismatische Leader“ bezeichnet. Denen die Menschen folgen, weil sie Klarheit, Vertrauen und Sicherheit vermitteln.

Meine Frage heute also an Sie: Welche Art von Führungskraft wollen Sie sein?

Herkömmlich steht häufig Folgendes im Vordergrund: Selbst-Bewusstsein in Leadership-Kursen (=> Welche Art Leader sind Sie?), Fokus auf dem Werdegang (=> Was hat Sie zu dem Leader gemacht, der Sie heute sind?), Führungstools (=> Welche Art Leader sollten Sie sein?) und Führungstechniken, um neues Verhalten zu erlernen (=> Wie Sie diese Art Leader werden können).

Was dabei noch fehlt, ist die Klarheit in der Entscheidung für die individuelle „Leadership Mission“, also die eigene Absicht und Vision hinter der Führungsrolle, die über den persönlichen Nutzen (siehe oben) hinausgeht.

Wie sieht Ihr „Leadership Footprint“ aus – welchen „Führungs-Eindruck“ hinterlassen Sie in Ihrem Unternehmen?

Ein paar Ansätze, die Ihnen bei der Klärung Ihres eigenen Leadership-Profils weiterhelfen können:

  • Entwerfen Sie Ihr ganz individuelles Role-Model (für sich selbst), „profilieren“ Sie sich als Führungskraft.
    Ihr Nutzen: Sie stärken Ihre innere Klarheit und damit automatisch Ihre professionelle Präsenz als Leader.
  • Schaffen Sie sich Bewusstsein darüber, wie Ihre eigene Mission mit der Ausrichtung der Unternehmensvision und -ziele übereinstimmt, und nützen Sie diesen „Turbo“ für die Positionierung Ihres Bereichs.
    Ihr Nutzen: Es gibt nichts Überzeugenderes als kongruentes Verhalten.
  • Achten Sie darauf, Unterschiede zwischen Ihrer Absicht und dem Wirken Ihrer Führungsarbeit frühestmöglich zu erkennen.
    Ihr Nutzen: So zentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit und damit ihre Energien. Und bringen Ihre „PS“ wirksam auf den Boden des Führungsalltags.
  • Stärken Sie ihre Selbst-Regulierung. Eine Definition von Emma Soane von der LSE – London School of Economics and Political Science dazu lautet: „Die Stärke und zeitgleich die Herausforderung von Selbst-Regulierung liegt darin, die Stimmigkeit zwischen Persönlichkeit, Verhalten und individuellen Leadership-Zielen sicherzustellen.“
    Ihr Nutzen:
    Wenn Sie Ihre Selbststeuerung derart kultivieren, bleiben Sie trotz Hochschaubahn des Management-Alltags selbstwirksam und fest im Sattel.