Trust in Leadership: warum ist Vertrauen in der Führungs­arbeit wichtig?

5 Min. 08.04.2016 Barbara Friesenbichler

Grundsätzlich wissen wir es alle: Vertrauen stellt die Basis jeder guten Beziehung dar. Stimmt diese Beziehungsgrundlage, lassen sich auch die verzwicktesten Situationen und Probleme irgendwie doch im Sinne aller Beteiligten lösen.

Doch so wichtig das Thema auch für die Führungskultur, Organisationen und Marken ist, das zugrunde liegende Konzept lässt sich oft erstaunlich schwer auf den Punkt bringen. Dieser vermeintlich so klare Begriff wird auf unterschiedliche Weise interpretiert. Auf den ersten Blick vielleicht unlogisch. Es wird aber schnell klar, wenn man Folgendes bedenkt: Vertrauen ist ein Gefühl, keine rationale Überlegung. Vertrauen entsteht, wenn ein Mensch sein eigenes, individuelles Werteverständnis wiederfindet, seinem eigenen Verständnis nach „positive“ Erfahrungen macht. Vertrauensbildung ist ein längerer, ziemlich sensibler Prozess. Schwer aufzubauen und sehr leicht zu zerstören. Vertrauen kann nicht eingefordert, sondern muss verdient werden. Vertrauen ist nicht durch Worte alleine, sondern nur durch Übereinstimmung von 1.) verbalen und 2.) nonverbalen Signalen sowie 3.) Verhalten zu erreichen.

Eine Vertrauenskultur zu schaffen ist Führungsaufgabe

Sie als Führungskraft legen durch Ihre Spielregeln und vor allem durch Ihr eigenes Verhalten fest, welchen Stellenwert ein integres Miteinander in Ihrem Wirkungsfeld hat. Manche Führungskräfte versuchen ihre Toughness und Kompetenz zu betonen, während sie ihre Menschlichkeit eher „verstecken“. Ein Resultat einer ausschließlich ergebnisorientierten Kultur. Tatsache ist jedoch, dass gerade menschlich spür- und nahbare Führungskräfte das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden gewinnen. Selbst dann, wenn der Weg in fachlichen Fragen unklar erscheint. Wichtig ist, menschliche Wärme nicht mit (schwächlicher) Weichheit zu verwechseln.

Mit diesen Punkten können Sie Ihre Vertrauens- und Glaubwürdigkeit weiter stärken:

  • Seien Sie sich Ihrer Vorbildrolle bewusst
    Ihr stärkstes Testimonial ist Ihr eigenes Verhalten. Als Führungskraft stehen Sie unter permanenter Beobachtung und müssen in Sachen Vertrauen den ersten Schritt setzen.
  • Sagen Sie, was Sie meinen, und meinen Sie, was Sie sagen
    Menschen, die sich stimmig verhalten, sind gut „lesbar“ und daher auch vertrauenswürdig. Das bedeutet jedoch nicht, undiplomatisch oder unhöflich (ehrlich) sein zu müssen.
  • Zeigen Sie Ihre Menschlichkeit
    Rollenbewusstsein bedeutet schließlich nicht, sich hinter einer völlig neutralen, aalglatten „Persona“ zu verschanzen. Menschen folgen Menschen.
  • Leben Sie Ihr Commitment
    Worte alleine überzeugen nicht. Wenn Aussage und Verhalten nicht übereinstimmen, wird im Zweifelsfall das Verhalten als Gradmesser herangezogen. Das ist der Grund, warum ungeschriebene Gesetze oft wesentlich stärker wirken. Auch wenn die „offiziellen“ Regeln als beeindruckende Plakate an den Bürowänden hängen.
  • Kultivieren Sie Wertschätzung und Respekt
    In Zeiten, in denen offenbar nur mehr Ergebnisse zählen, erzielen Sie einen erheblichen Unterschied, indem Sie echte Anstrengungen wahrnehmen und honorieren, auch wenn sich das gewünschte Ergebnis (noch) nicht eingestellt hat.