Studie: Gestal­tungs­f­reiheit macht zufrieden

5 Min. 01.02.2016 Mag. Irene Kari

Was motiviert Führungskräfte und macht sie zufrieden? Entgegen allen Klischees sind dies nicht Macht, Anerkennung oder die monetäre Vergütung, sondern Freiraum und Gestaltung. Für den aktuellen Hernstein Management Report haben wir je 750 Führungskräften aus Österreich und Deutschland befragt, ob sie ihre Arbeit als sinnerfüllend erleben, den Beruf Führungskraft und ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden und was sie am meisten an ihrer Arbeit schätzen.

Ein Großteil der befragten Führungskräfte fühlt einen überaus starken Antrieb, im Job das Beste zu geben: 85 Prozent geben an, top motiviert zu sein. Je höher die Position, umso zufriedener die Führungskraft: Im Top-Management sind 93 Prozent sehr motiviert, ihr Bestes zu geben, im unteren Management 80 Prozent. Warum die Hierarchieunterschiede? Im oberen Management sind die Erwartungen wohl nicht mehr so hoch, da sie durch langjährige Führungserfahrung schon oft in der Praxis überprüft wurden. Wenn Wunsch und Wirklichkeit nicht mehr so weit auseinanderliegen, wächst die Zufriedenheit.

Arbeiten mit Sinn beflügelt

Menschen engagieren sich für Dinge, die ihnen sinnvoll erscheinen und sie erfüllen. Und das, auch ohne dafür bezahlt zu werden. Bestes Beispiel: Wikipedia. Durch unbezahlbares Engagement hat sich die Plattform zum größten Online-Lexikon entwickelt. Wie sinnerfüllt lebt es sich als Führungskraft? 78 Prozent der befragten Personen empfinden ihre Arbeit als sinnvoll und erfüllend. „Alles in allem gern“ arbeiten 89 Prozent des oberen Managements, beim unteren tun dies nur 77 Prozent. Der Unterschied zwischen den Managementebenen lässt sich wohl am besten dadurch erklären, dass mit zunehmender Höhe auf der Karriereleiter operativer Ballast abgeworfen werden kann. Der Druck der Sandwichposition im mittleren und unteren Management lässt nach und Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume können ausgelebt werden.

Freiraum vor Macht und Menschen

1023 Führungskräfte von 1500 beschreiben in der offenen Frage, was sie an ihrer Rolle als Führungskraft am meisten schätzen. Am häufigsten (41 Prozent) werden ebendiese Aspekte von Freiraum und der Möglichkeit, gestalterisch im eigenen Unternehmen tätig zu werden, genannt. An zweiter Stelle liegt „Verantwortung übernehmen“ (16 Prozent). Hierzu zählen Schlagworte wie „Verantwortung für Menschen und Ressourcen übernehmen“ ebenso wie „Macht und Einfluss“. Die Arbeit mit Menschen ist für viele der Befragten bedeutend: An dritter Stelle folgt „Mitarbeiter führen und anleiten“ mit elf Prozent ex aequo mit der „Zusammenarbeit mit Menschen“.

Würden Sie es weiterempfehlen?

Und wie sehr stehen Führungskräfte hinter ihren Produkten und Dienstleistungen, ihrem eigenen Unternehmen und dem Beruf Führungskraft? Was davon würden sie ihren Freunden empfehlen? Immerhin 85 Prozent der Befragten empfehlen das Leistungsangebot ihres Unternehmens weiter. Im Hinblick auf das Unternehmen wird die Weiterempfehlungsquote schon moderater: 73 Prozent empfehlen das eigene Unternehmen weiter, 11 Prozent der Befragten raten dezidiert vom eigenen Arbeitgeber ab. Die Frage „Würden Sie Ihren Freunden empfehlen, auch Führungskraft zu werden?“ fördert interessante Hierarchieunterschiede zutage: 41 Prozent des oberen Managements geben „Trifft zu“ an, aber nur 19 Prozent des unteren Managements. Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig Gestaltungsfreiräume und selbstorganisierte Strukturen, wie sie z. B. bei Holacracy oder Scrum gelebt werden, sind. Das Mehr an Verantwortung, aber auch an Freiräumen zeigt seine positiven Auswirkungen bei Motivation, Engagement und Verbundenheit. Wer selbstbestimmt arbeiten kann und Spaß an seinen Aufgaben hat, arbeitet lieber und leistet auch mehr. Eigentlich ganz einfach.

Zum Hernstein Management Report “Was motiviert Führungskräfte?”