Souveräner Auftritt und profes­sionelle Wirkung

8 Min. 18.07.2016 Barbara Friesenbichler

Wie Sie Lampenfieber bei Auftritten wirksam reduzieren.

Symptome auf körperlicher Ebene

Herzklopfen/Pulsrasen

Schließen Sie die Augen und machen Sie Atemübungen: Atmen Sie einige Male langsam tief ein und aus. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Ausatmung, da diese automatisch Entspannung auslöst, indem sie den Parasympathikus aktiviert.

Trockener Mund

Essen Sie vor Ihrem Auftritt nichts Salziges und trinken Sie keinen Kaffee. Halten Sie während Ihrer Rede immer ein Glas Wasser in Reichweite. Nehmen Sie ungekühltes stilles oder kohlensäurearmes Wasser, sonst riskieren Sie, dass Sie aufstoßen müssen.

Belegte oder zitternde Stimme

Wenn Sie vor Ihrem Auftritt merken, dass Ihre Stimme rau klingt, dann hilft Stimmbandpflege. Husten Sie und gurgeln Sie mit Wasser. Manche fügen dem Wasser auch Eukalyptusöl hinzu. Um Ihre Stimmbänder zu lockern und geschmeidig zu machen, können Sie ein halbes Glas warmes Leitungswasser trinken. Eine zitternde Stimme können Sie kontrollieren, indem Sie etwas lauter sprechen. Versuchen Sie zu gähnen; das lockert die gesamte Gesichtsmuskulatur und gibt dem Gehirn gleichzeitig ein Signal, zu entspannen.

Zitternde Hände

Benutzen Sie kein DIN-A4-Papier als Notizzettel. Je größer das Papier, umso mehr fällt das Zittern auf. Besser sind postkartengroße Karteikarten. Auch indem Sie Moderationskarten in etwa auf Nabelhöhe halten, stabilisieren Sie Ihren Körper und und bewahren eine aufrechte, souveräne Haltung. Außerdem stellen Sie auf diesem Weg sicher, dass der Brustkorb offen bleibt, was für eine ruhige und tiefe Atmung notwendig ist. Verwenden Sie keinen Laserpointer. Der macht das Zittern deutlich sichtbar.

Schweißausbruch

Kleiden Sie sich so, dass Sie Ihr Jackett ausziehen könnten. Wählen Sie ein helles Hemd oder eine helle Bluse. Schweißflecken fallen auf hellem Gewebe weniger auf als auf dunklem. Halten Sie ein Stofftaschentuch bereit, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

Erröten

Machen Sie sich bewusst, dass Sie selbst Ihr Erröten viel stärker wahrnehmen als Ihr Publikum. Die Teilnehmenden sitzen entfernt von Ihnen, und nur Sie selbst können spüren, dass Ihnen warm wird, wenn Sie erröten. Mein Tipp: am besten ignorieren.

Symptome auf emotional-mentaler Ebene

Nervosität

Akzeptieren Sie Ihre Nervosität als etwas Normales. Nervosität ist ein Schutzmechanismus. Ihr Körper reagiert so, als würde er bedroht, und produziert Adrenalin. Dieses Hormon erhöht die innere Gespanntheit und Konzentration und trägt so zu herausragenden Leistungen bei. Ihre Nervosität wird überdies schon nach den ersten Sätzen verschwinden, da Sie sich an die Situation gewöhnen. Lernen Sie in jedem Fall die ersten paar Sätze der Eröffnung sowie auch den Abschluss auswendig. Das gibt Sicherheit und hilft, Boden zu gewinnen.

Konzentrationsschwierigkeiten

Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind auf Sauerstoffmangel zurückzuführen. Atmen Sie deshalb tief ein und langsam wieder aus. Stellen Sie sich dazu möglichst an ein offenes Fenster. Wenn Sie die Gelegenheit dazu haben, hilft auch Bewegung. Laufen Sie eine Treppe auf und ab oder machen Sie ein paar Kniebeugen. Wenn Sie merken, dass Sie kurz vor Ihrem Auftritt im Geiste hektisch Ihre Präsentation durchgehen, hören Sie damit auf. Fokussieren Sie sich ausschließlich auf Ihren – auswendig gelernten – Einstieg. Der Rest wird dann problemlos wie vorbereitet folgen.

Vergesslichkeit/Blackout

Das Gefühl vor einem Rede-Auftritt, sich an nichts mehr erinnern zu können, entsteht aus einer intensiven Beschäftigung mit sich selbst. Gedanken wie „Was denken die anderen von mir?“ blockieren Sie. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie zu sagen haben. Nutzen Sie Vortragshilfen wie z. B. Moderationskarten.

Selbstzweifel

Der wichtigste Punkt, um diesen Stressor zu mildern: Bereiten Sie sich bestens vor! Es wird Sie stärken, dass Sie genau wissen, wovon Sie reden, und dass niemand Ihre Präsentation besser kennt als Sie selbst.

Durchbrechen Sie Ihre Selbstzweifel, indem Sie sich ablenken. Erinnern Sie sich an Ihren letzten Auftritts-Erfolg und machen Sie sich diesen noch einmal voll bewusst. Oder denken Sie an eine Begebenheit, Person oder Sache, die für Sie wertvoll ist. So vertreiben Sie Ihre negativen Gedanken.

Konzentrieren Sie sich auf die Rolle, in der Sie vor dem Publikum stehen. Das hilft, sich innerlich ein wenig zu distanzieren, also „professionelle Semi-Distanz“ zu gewinnen. Imaginieren Sie sich in Ihrer Rolle mit einer „königlichen“ Haltung. Sie haben Ihre Rolle gut vorbereitet und die Umsetzung durchgeplant. Dieses Wissen wird Ihrer Haltung Gelassenheit verleihen, auch wenn Sie innerlich nervös sind.

Hören Sie auf den Rat eines berühmten US-Talkmasters, der bekannte, dass er vor jeder Fernsehsendung nervös war. Einmal mehr, einmal weniger: „Sie sollten einfach wissen: Von dem, was Sie fühlen, sieht der Zuschauer nur ein Achtel. – Wenn Sie innerlich ein bisschen nervös sind, sieht das kein Mensch. – Wenn Sie innerlich sehr nervös sind, sehen Sie nach außen hin ein bisschen nervös aus. – Und wenn Sie innerlich total außer Kontrolle geraten sind, wirken Sie vielleicht ein wenig bekümmert. Nach außen dringt alles weit weniger krass, als Sie selbst es empfinden.“

Quelle: www.redenwelt.de

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