Selbst­ma­na­gement: Coachen Sie sich selbst!

10 Min. 12.10.2012 Mag. Nina Halder-Schüssel

Unsere Welt wird zunehmend zu einem Dorf. Das bringt jede Menge Veränderungen mit sich, besonders auch in der Arbeitswelt. Je mehr Interessen aufeinanderprallen, desto häufiger entstehen auch verzwickte Führungssituationen: Klare Lösungen liegen nicht auf der Hand, der Druck, zu handeln, steigt … und trotzdem heißt es, rasch Entscheidungen zu treffen. Was in solchen Situationen hilft? Kurz am Notgriff ziehen, sprich: sich für eine halbe Stunde zurückziehen und sich selbst unterstützen. Selbstcoaching nennt sich das.

Intern statt extern: Selbstcoaching

Was ein externer Coach in so einer Situation tun würde? Sie zu neuen Ideen und Blickwinkeln anregen. Das lässt sich auch alleine bewerkstelligen: mittels Selbstcoaching-Instrumenten. Sie helfen, eine Situation aus neuen Perspektiven zu beleuchten. Sie beziehen neben der kognitiven auch die emotionale Ebene ein: Welche Gefühle beeinflussen in welcher Art und Weise die Situation? Ihre körperliche Intelligenz – etwa in Gestalt der räumlichen Wahrnehmung – und Ihr Erfahrungsgespür bekommen Platz: Wie habe ich in einer ähnlichen Situation gehandelt?

Natürlich bedarf Selbstcoaching ein wenig Übung. Fangen Sie gleich damit an – und zwar mit etwas Vertrautem, einer Konfliktsituation aus Ihrem Führungsalltag etwa. Und da aller Anfang bekanntlich schwer ist, wählen Sie einen kleineren Konflikt, in dem es nur 2 unterschiedliche Perspektiven gibt: Ihre und die einer zweiten Person.

Tool: Perspektivenwechsel in Konflikten

Soll ich einen Konflikt unter den Tisch kehren? Oder soll ich ihn ansprechen und aktiv Konfliktlösung betreiben? Greifen Sie in den Werkzeugkasten der Selbstcoaching-Instrumente und holen Sie das Tool Perspektivenwechsel heraus.

Um einen Konflikt gut zu lösen, kann es hilfreich sein, in die Rolle der anderen Konfliktpartei zu schlüpfen und deren Sichtweise einzunehmen. Warum das? In einem Konflikt gibt es ja immer Interessen, die einander widersprechen. Die eigene Perspektive ist hinlänglich bekannt, jene der anderen Person oft weniger. Man könnte schließlich den Konflikt verlieren, wenn man sich zu sehr dafür interessieren würde. Aber Achtung, das ist ein Trugschluss! Das Gegenteil ist der Fall: Je besser wir die andere Seite verstehen, desto eher ist eine Lösung möglich, die beide Seiten zufriedenstellt.

Nun gibt es neben der eigenen und der anderen Perspektive aber noch eine dritte: nämlich die Metaebene. Das ist die Position der inneren Weisheit. Aus ihr heraus wissen Sie, was zu tun ist. Ihre Gefühle bleiben weitgehend außen vor. Und Sie können mit dem Blick von außen auf das Ganze schauen.

Selbstcoaching-Einheit – eine Übungsanleitung

Zeitbedarf: 10 – 60 Minuten

Zutaten: ungestörtes Umfeld, Ruhe, 3 Stühle

Anleitung:

  1. Perspektiven in den Raum bringen: Bestücken Sie jeden der Stühle mit einer Karte. Auf einer steht Ihr Name, auf der zweiten der Name der Person, mit der Sie den Konflikt haben, auf der dritten der Name der Metaebene. Stellen Sie die Stühle in einer für Sie passenden Position im Raum auf – folgen Sie dabei schlicht Ihrer Intuition. Sie dürfen darauf vertrauen, dass jede Positionierung etwas mit Ihrer realen Situation zu tun hat.
  2. Die eigene Perspektive: Versetzen Sie sich zuerst in Ihre eigene Perspektive. Nehmen Sie Platz und spüren Sie auf 3 Ebenen nach:

    • Körperebene: Wie sitze ich hier: entspannt, angespannt? Wohin geht mein Blick?
    • Gedankenebene: Welche Gedanken sind in dieser Position im Vordergrund?
    • Gefühlsebene: Was fühle ich hier?

  3. Die andere Perspektive: Haben Sie ausreichend Informationen gesammelt? Dann stehen Sie bewusst auf und wechseln Sie aus Ihrer eigenen Perspektive in jene der anderen Person. Dafür setzen Sie sich auf den Stuhl, den Sie für sich selbst reserviert haben. Stellen Sie sich die Person vor: Wenn ich mich in ihre Lage versetze, was fühle ich, was denke ich, was brauche ich hier? Gehen Sie die gleichen Fragen wie vorhin durch.
  4. Die Metaposition: Wieder erheben Sie sich und nehmen nun sozusagen auf der Metaebene Platz. Fragen Sie sich: Was ist mir schon klarer geworden? Was brauchen die beiden Konfliktparteien? Manchmal ist auch ein neuer, vielleicht sogar ein dritter Durchgang vonnöten: Stühle umstellen, und schon kann das Spiel von vorne beginnen.
  5. Die Erkenntnisse: Wechseln Sie so lange die Stühle und mit Ihnen die Perspektiven, bis Sie erste Antworten auf Ihre ursprünglichen Fragen haben. Sie wissen nun etwa, was in einer ganz speziellen Situation als Erstes zu tun ist? Wunderbar: Nehmen Sie die Zettel ab, räumen Sie die Stühle ganz bewusst weg … und schon können Sie die nächsten Schritte setzen.