Persön­lich­keiten in Führung

5 Min. 06.10.2015 Barbara Friesenbichler

In Ausbildungen und dem „Daily Business“ werden weitestgehend nur die konventionellen Kompetenzbereiche gefördert: Wissen, Erfahrung und Beherrschung der Management-Techniken.
Aber die wichtigste Führungskompetenz ist und bleibt unsere Persönlichkeit. Sie wird meist nach wie vor eher dem Zufall überlassen. Wissen wird „eingesaugt“, Theorien werden gelernt, um „State of the Art“ zu sein, und das wirksamste Bindeglied zum verantwortungsvollen Erkennen, Entscheiden und Handeln wird außen vor gelassen.

Die Macht der Emotionen

Erst unlängst hatte ich Gelegenheit, einem Marketingprofi zu lauschen, der – neuester (und eigentlich längst bekannter) Stand neurobiologischer Forschung – kundtat, dass Kaufentscheidungen zu 80 Prozent im emotionalen Bereich getroffen werden. Motivforschung war ein Thema, denn jedes Verhalten ist bedürfnisorientiert. Wenn das nun schon für „Produkte zum Anfassen“ gilt, um wie viel mehr erst für den Dienstleistungsbereich! Und damit sind wir beim Kern des Themas. Jede Führungsaufgabe ist ein hochkarätiger Dienstleistungsvertrag, den Führungskräfte mit dem jeweiligen Unternehmen eingehen.

Vorbildwirkung Führungskraft

Die Verankerung der Werte ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass notwendige Veränderungsprozesse im Unternehmen und beim Einzelnen gelingen und nachhaltige Resultate gewährleisten. Erst wenn eine Führungskraft ein funktionierendes Wertesystem hat, kann sie als Vorbild dienen und im Sinne der Präsenz klare Führungsposition beziehen: eine Führung leben, die auf Qualitäten wie Ehrlichkeit, Bewusstsein, Reife, Urteilsvermögen, Ethik und Verantwortlichkeitsgefühl basiert.

Führungskultur auf dem Prüfstand

Ich nehme an, Sie hinterfragen und überprüfen regelmäßig Daten, Zahlen, Fakten: Umsatzzahlen, Margen, Gewinne, Aufwendungen, Kundenauswertungen, Produktionskosten, Marktanalysen etc. Wie oft hinterfragen Sie mit gleicher Intensität und Dringlichkeit jene Parameter, die unmittelbar mit der Führungskultur in Ihrem Unternehmen zu tun haben:

  • Ist es interessant, hier zu arbeiten?
  • Sind Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stolz darauf, in dieser Organisation zu arbeiten, und auch bereit, ihr Bestes zu geben?
  • Haben Sie Mitarbeitende, die motiviert und selbstständig sind, oder spüren Sie insgeheim, dass deren Commitment eher ambivalent angelegt ist?
  • Wird offen kommuniziert oder regiert die berechnende Vorsicht?
  • Stehen Sie im Dialog mit Ihren Mitarbeitenden?

Wissen Sie, was diese bewegt? Kennen Sie deren Potenziale und ermöglichen Sie als Führungskraft, dass diese – auch zu Ihrem Vorteil im Sinne der Ergebnisse – gelebt werden können?