Motivations-Check nicht nur zum Jahres­wechsel

7 Min. 19.01.2017 Mag. Monika Herbstrith-Lappe

Zum Jahreswechsel Bilanz zu ziehen und Glücksbringer zu verschenken ist eine alte Tradition. Und eine Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie Sie Ihr Glück mehren und Enttäuschungen vermeiden können. Menschen neigen dazu, Negatives höher zu bewerten als das Positive und Einfache, das ist evolutionsgeschichtlich bedingt. Offene Probleme beachten wir aufmerksamer als erfolgreich Abgeschlossenes. Das Positive wird rasch zur nicht mehr beachteten Selbstverständlichkeit. Wann haben Sie sich darüber gefreut, dass Sie regelmäßiges Einkommen erhalten, Urlaubsanspruch genießen dürfen, das Glück haben, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben?

Das hat auch mit der Konstruktion unseres Hirns zu tun. Wir haben 2 Lernzentren: einerseits ein Vermeidungszentrum, wo gespeichert ist, womit wir, und auch unsere Vorfahren, schmerzliche Erfahrungen gemacht haben. Und andererseits gibt es das Lustzentrum, wo wir registrieren, wenn etwas überraschend gut oder besser als erwartet ist. Denn nur dann gibt es etwas zu lernen.

Die Glücksfähigkeit trainieren

Die Kunst des glücklichen Lebens besteht darin, sich willentlich auch immer wieder über Vertrautes und vordergründig Selbstverständliches zu freuen. Leider werden Glücksmomente von unserem Hirn nur flüchtig wahrgenommen. Es liegt an uns, sie bewusst auszukosten. Glücklich ist, wer sich auch über Kleinigkeiten freuen kann. Angst und Ärger sind viel intensivere Signale im Hirn als Glück und Freude – schließlich ist es in unserer Vorzeit dabei um das nackte Überleben gegangen. Die Fähigkeit zur Freude hat die Biologie übrigens ins Spiel gebracht, um Angst vor Veränderungen zu überwinden und damit die Entwicklung zu fördern.

Einfacher und wirkungsvoller Selbsttest

Ein ausgezeichnetes Werkzeug, um die Lebenszufriedenheit zu fördern, ist der Motivations-Check. Er hilft, das Ungleichgewicht in der subjektiven Wahrnehmung auszugleichen, uns vor Augen zu führen, dass es neben dem Belastenden und Problematischen auch immer wieder viele Vorzüge gibt.

Sie benötigen nur ein Blatt Papier, das Sie in 4 Felder teilen. 2 davon stehen für Zufriedenheit, 2 für Ihren Einsatz. Die 2 Fragen der Zufriedenheit lauten: „Was habe ich und möchte ich?“ und „Was habe ich nicht und möchte ich nicht?“. Egal ob beruflicher Alltag, Vereinsmitgliedschaft, Wohnsituation oder Beziehung: Schreiben Sie alles auf, was Sie morgen schmerzlich vermissen würden, wenn Sie es nicht mehr hätten. Oder was Sie nicht haben und worüber Sie auch froh sind, dass Sie es nicht haben. Dem halten Sie Ihren Einsatz entgegen: „Was habe ich und möchte ich nicht?“ und „Was habe ich nicht und möchte ich?“.

Laden Sie hier die Vorlage dazu herunter 

Analysieren Sie das Verhältnis zwischen Zufriedenheits- und Unzufriedenheitsaspekten. Alles hat Vor- und Nachteile. Was, wenn Aspekte, die Sie bisher geschätzt haben, weniger werden? Oder wenn die Last des Störenden oder Fehlenden schwerer wird? Berücksichtigen Sie dabei, dass unser Hirn das Problematische sehr viel intensiver wahrnimmt als alles, was passt. Das Gehirn neigt dazu, Positives als selbstverständlich hinzunehmen. Ärgern Sie sich nicht über Fehlendes oder Störendes. Leiden Sie auch nicht, sondern befragen Sie sich selbst, wie Ihre Realität aussieht. Und dann gilt: Love it, change it or leave it.

Die Wirklichkeit verändern

Verändern können Sie dabei nicht nur, wie die Dinge sind, also die Wirklichkeit 1. Ordnung. Verändern können Sie auch, wie Sie darüber denken, wie Sie etwas erleben und was Sie daraus machen. Das wird auch die Wirklichkeit 2. Ordnung genannt. Viktor Frankl, der die Extremsituation des Konzentrationslagers überlebt hat, ist überzeugt, dass wir immer etwas verändern können, nämlich unseren Zugang und unsere Sichtweisen.

Nicht sinnvoll wäre hingegen, Störendes rosa anzumalen oder durch die rosa Brille zu betrachten. Die ebenfalls von Viktor Frankl stammende Frage „Was möchte ich stattdessen?“ hilft, den Weg von den Problemen zu den Lösungen zu erschließen.