"Man kann Menschen nicht motivieren." – Ist das Ihr Ernst, Herr Merlin?

5 Min. 28.03.2018 Mag. Eva Woska-Nimmervoll

Der Coach und Organisationsentwickler Markus Merlin meint es tatsächlich ernst. Aber ist es nicht die Aufgabe einer Führungskraft, ihr Team zu motivieren? Es zu Höchstleistungen anzuspornen? Nein, es gehe vielmehr um Haltung, so Markus Merlin, „Wer glaubt, er kann ‚im‘ Menschen Leistungspotenziale heben – womöglich noch mit bestimmten Tools, die er irgendwo gelernt hat – wird scheitern.“ Den Hebel, den man bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der richtigen Stelle anwendet, damit sie sich persönlich einsetzen, gibt es Markus Merlin zufolge nicht.  Also erwarten Sie nicht, bei seinen Trainings einen Werkzeugkoffer für die Praxis abzustauben.

Wer oder was motiviert die Menschen, wenn nicht ich?

„Motivation kann nur aus dem Menschen selbst erwachsen“, weiß Merlin. Doch zuerst müsse jeder Mensch sich selbst die Frage nach der subjektiven Bedeutung seiner Tätigkeit beantworten. Eine Führungskraft kann bestenfalls inspirierend wirken, so der Coach, aber der Funke springe nur über, „wenn Sie als Führungskraft in Dialog mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern treten und diese dann ihren persönlichen Sinn in der Arbeit entdecken können.“  

Aber ich rede ja dauernd mit den Leuten …

Wenn trotzdem kein Dialog zustande kommt, liege es nicht an mangelnden Communication Skills, meint Markus Merlin: „Führungskräften fehlt oft das Bewusstsein für ihre Führungs-Kraft“. Soll heißen: Sie erleben sich zwar in ihrer Managementfunktion, verlassen sich aber auf ihre Rolle und unterschätzen, wie wichtig ihre eigene Persönlichkeit dabei ist. Gefragt sind in Führungspositionen Menschen, die authentisch wirken – und nicht mit antrainierter Rhetorik auf andere einwirken wollen. Der Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ergibt sich natürlich aus der inneren Haltung heraus.
Auf diese wird inmitten der verschiedenen Ansprüche und Erwartungen von außen oft vergessen: „Eine Führungskraft kam auf mich zu und sagte: ‚Mein Boss ist Choleriker, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unterschiedliche Werte, die rechtlichen Rahmen werden immer enger und die Kundinnen und Kunden immer anspruchsvoller. Was soll ich tun?‘  Da fällt doch auf, dass die Führungskraft für ihr Unbehagen nur äußere Umstände nennt.“ Der erste Schritt führt in die Reflektion, welchen Anteil man selbst an dieser Situation hat und wie die eigene Haltung dazu aussieht.

Wie verändert sich dann etwas?

Markus Merlin: „Wenn Sie Ihr Lebensglück von äußeren Umständen abhängig machen, geben Sie die Freiheit aus der Hand, es selbst zu gestalten. Erst, wenn Sie Ihre Haltung zu den Dingen hinterfragen, wird sich im Außen auch etwas ändern. Und letztlich können Sie Menschen zwar nicht motivieren, aber durch Ihre Haltung inspirieren.“


Lesen Sie das gesamte Interview mit Markus Merlin im nächsten Hernsteiner. Die Ausgabe 1/2018 mit Schwerpunkt "Haltung" erscheint am 9. April.

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