Kickstart ins digitale Führen

8 Min. 07.05.2020 Mag. Eva Woska-Nimmervoll

Social Skills und Digital Literacy sind das A und O für das Führen im digitalen Zeitalter. 

Besonders gefragt: Key Player, die flexibel von einem Auftrag zum nächsten agieren und dabei vielseitige Rollen übernehmen. Sie wollen mehr über diese spannende Schlüsselfigur der Zukunft wissen? Trainer Stefan Doblhofer und Key Player Anna Nächst erklären im Hernsteiner-Interview die Eckpunkte der neuen Hernstein Nextperience – ein Programm, das auf die Vielfalt zeitgemäßer Führung vorbereitet.

Anna Nächst

ist eine Key-Player-„Persona“, die aus der Arbeit an Stefan Doblhofers Artikel „Alexa, What Can We Do Today?“ und an der Nextperience entstanden ist. Eine Persona verdichtet Erfahrungen vieler Menschen in einer typischen Biografie und steht so für die Erlebnis- und Erlebenswelt einer ganzen Gruppe.

Stefan Doblhofer

ist Berater, Hernstein Trainer und Coach. Zuvor Leiter des Afro-Asiatischen Instituts Graz, Gründer eines IT-Start-ups in Chile, MBA in Fontainebleau/Frankreich; stellvertretender Leiter des Hernstein Instituts. Seit 2004 selbstständig tätig mit Fokus auf Führung, Change, Agilität und Innovation.

Frau Nächst, Sie sind heute nicht mehr Führungskraft – und zufriedener als vorher. Warum?

Anna Nächst: Vor ein paar Jahren wurde mir klar, dass ich in unserer Firma als Teamleiterin keine große Zukunft hatte. Zuerst wurde ein neues Projektmanagement eingeführt, mit eigenen verantwortlichen Rollen. Als Teamleaderin war ich auf einmal viel weniger gefragt. Dann kamen immer mehr Initiativen und Programme in diese Richtung dazu, schließlich auch eines, das Dienstzeiten, Urlaube und Vertretungen regelt. Dass mir dann ein paar meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Blume gesagt haben, das Programm sei gerechter als ich, hat mir echt zugesetzt. Obwohl ich schon damals sehr für die Selbststeuerung der Teams war.

Mittlerweile gibt es in Ihrem Umfeld keine Teamleitungen mehr?

Anna Nächst: Ich bin jetzt Key Player – wie viele von meinen früheren Kolleginnen und Kollegen. Ich bin dazu da, um Teams zu unterstützen, die bei ihrer Selbststeuerung an die Grenzen kommen. Sie rufen mich, wenn ein wichtiges Meeting moderiert werden soll, oder bei Konflikten im Team oder zwischen Teams. In letzter Zeit auch dann, wenn sie Hilfe bei der Einführung von Collaboration Software brauchen. Außerdem vertrete ich unseren Bereich gegenüber dem Vertrieb. Als Key Player werde ich aber nur fallweise oder in größeren Abständen gebraucht.

Was daran macht Sie zufriedener als früher?

Anna Nächst: Die Lebensqualität! Früher hatte ich 24/7, überhaupt mit unserem alten Abteilungsleiter. Jetzt erbringe ich eine Dienstleistung, wenn ein Team anders nicht mehr weiterkommt. Als ich letztes Jahr Mutter wurde, war es kein Problem, auszusetzen. Ich bin in Teilzeit, auch als Key Player, wieder eingestiegen. Früher hätte jemand anderer die Teamleitung übernommen.

Herr Doblhofer, Sie starten demnächst die Hernstein Nextperience – ein Programm für Key Player wie Anna. Gibt es schon genug Key Player, um ein Hernstein Programm zu füllen?

Stefan Doblhofer: Key Player gibt es ja schon lange, in der Projektleitung oder als interne Coaches. Menschen als Key Player aufzubauen ist zudem eine Möglichkeit, Talents mehr und vielfältigere Herausforderungen zu bieten als nur Projektarbeit. Und schließlich bietet die Nextperience jungen Führungskräften einen Kickstart ins Führen im digitalen Zeitalter. Wer die digitale Transformation ernsthaft vorantreiben will, braucht dazu viele Akteurinnen und Akteure – in den Projekten, aber auch im Tagesgeschäft.

Nextperience – was verbirgt sich dahinter?

Stefan Doblhofer: Die Zauberformel lautet: Social Skills plus Digital Literacy. Je weniger formale Autorität ich habe, desto mehr kommt es auf meine Persönlichkeit an: Wie kann ich zuhören, Beziehungen aufbauen, die Motivation fördern, inspirieren? Was gelingt mir dabei gut, was lasse ich lieber bleiben? Bei Digital Literacy geht es uns darum, zusammen mit den Teilnehmenden Tools auszuprobieren, die sie in der Praxis brauchen können. Das Ganze, abgemischt mit einem Hernstein Fokus auf Gruppen und Organisationen, sollte eine echte Hilfestellung sein – was meinst du, Anna?

Anna Nächst: Es gibt bei uns eine Menge junger Kolleginnen und Kollegen, die viel Zeit brauchen, bis sie die Organisation und sich selbst gut genug kennen, um wirklich etwas weiterzubringen. Ich war vor der Geburt meiner Tochter genauso ungeduldig, wollte sofort Anerkennung und Erfolg. Ich glaube, mit so einem Boost aus Social Skills und Digital Literacy könnt ihr da wirklich etwas bewirken.

In den Texten zum Programm wird die Zielgruppe geduzt. Wie passt das zu Hernstein?

Stefan Doblhofer: Im Seminarraum duzen sich viele Hernstein Trainerinnen und Trainer und ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon lange. Auch in den meisten Firmen, die ich kenne, hat sich das Du weitgehend durchgesetzt. Die Nextperience geht in bester Hernstein Tradition nahe an die Persönlichkeit und sie bildet den Weg zu offenen, zukunftsorientierten Unternehmenskulturen ab. Für beides steht das Du und damit passt es gut zu diesem Programm.