Key Player at Work

8 Min. 05.02.2020 Mag. Stefan Doblhofer, MBA

Selten haben sich in der Vergangenheit so viele Organisationen mit ihrer eigenen Zukunft beschäftigt wie heute.

Jenseits des populären Zukunfts-SODA (Self-Org, Digital, Agile) versuche ich nun seit einiger Zeit, mir vorzustellen, wie der ganz normale Alltag in ein paar Jahren in den Organisationen aussehen könnte. 

Natürlich existieren dann jede Menge intelligenter Lösungen für Zusammenarbeit und Koordination. In manchen Teams werden sie sich vielleicht wie Kolleginnen und Kollegen anfühlen. Manchmal werden sie vielleicht auch schon die Führungskräfte abgelöst haben.

Gedankenspiele

In meinen Gedankenspielen übernehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ich nenne sie Key Player – einzelne Führungstätigkeiten, fallweise, on demand oder on-off. Besonders interessant finde ich das Zusammenspiel dieser Key Player und ihrer virtuellen Kolleginnen und Kollegen, die ich der Einfachheit halber der Alexa-Familie zugeordnet habe. Zum Teil fühlt sich das ganz alltäglich an, dann aber auch wieder seltsam oder leicht gruselig. Machen Sie sich selbst ein Bild davon:

Vision 1: Teams ohne Chef bei ABC

Bei einem Kaffee wird Max von seiner Mentorin Eliza gefragt, wie zufrieden er nach drei Monaten bei ABC ist. Insgesamt fühlt Max sich wohl. Als er damals die Anzeige „Arbeite ohne Chef bei ABC“ gesehen hat, hatte er allerdings keine Ahnung, wie viel Koordination und Alignment es hier geben würde.

Da sind die täglichen Standup-Meetings, für die er pünktlich jeden Morgen hier sein muss. Wenn er etwas fertigstellt, sagt Todoxa ihm sofort, was er als Nächstes zu tun hat. Auf einem großen Screen zeigt Todoxa dem Team jederzeit, wie es im Plan steht, woran jedes Mitglied gerade arbeitet etc. Max denkt, dass das Programm die Neuen irgendwie benachteiligt.

Vielleicht spricht er das einmal in einem Meeting an. Es gibt zwar nur wenige Besprechungen hier, aber sie sind sehr strikt moderiert. Überhaupt sind hier alle Moderationsprofis − und stolz darauf. Wenn du dran bist, ruft dich Meetexa auf, die übrigens auch beruhigende Geräusche macht, wenn im Meeting Spannungen auftreten.

Wenn zwei Kolleginnen oder Kollegen einen Streit beginnen, drohen die anderen damit, einen Team Coach zu rufen. Max hat Eliza als Mentorin, Martin als Product Owner, Maria als Scrum Master, eine Dotted Line zu Sara, und er hat Chris als „Buddy“ zur Einführung in die Systeme, die er benutzt. Ja, er hat seinen Chef, den Abteilungsleiter, bisher erst zweimal gesehen. Er hat sich nur dieses ganze Teamwork so nie vorgestellt.

An manchen Abenden ist es für einen introvertierten Typen wie Max gar nicht so einfach, beim Verlassen des Büros den grünen Daily-Feedback-Knopf zu drücken.

Vision 2: Der Flow bei JKL


Nach Einführung eines neuen Flow Managements bei JKL bemerkt Floxa, dass nun mehrere Teile der Organisation völlig unkoordiniert verschiedene Anforderungen an die Zulieferer aussenden.

Floxa erarbeitet rasch drei Vorschläge zum Redesign des Prozesses, inklusive Kosten und Einsparungspotenzialen. Und sie beruft dazu automatisch ein Meeting ein, an dem die Cross Links der betroffenen Einheiten, der Product Owner des Flow Management-Projekts, die Flow Evangelist sowie Vertreter von zwei Zulieferern teilnehmen.

Louise, die Cross Link des Einkaufs, ist nicht glücklich über Floxas Vorschläge, da Unterbrechungen in Lieferprozessen häufig finanzielle Schäden für JKL verursachen. Die Vertreter der Zulieferer rollen die Augen.

Leyla, die Flow Evangelist, bringt Floxa dazu, innerhalb von zwei Minuten sämtliche angesprochenen Fälle darzustellen und die entstandenen Schäden exakt nachzurechnen. Louise fallen einige Wege ein, wie Floxa sie kalkulieren soll, aber so oder so sind sie nicht sehr hoch. Nach etwas Verhandlung und viel gemeinsamer Wertschätzung für den Einkaufsbereich wird Konsens darüber erreicht, dass Louise persönlich eingebunden wird, wann immer eine Lieferunterbrechung die besprochenen Schäden zu verursachen droht.

 

Was denken Sie?

Könnte so die Zukunft unserer Organisationen aussehen? Was empfinden Sie dabei als interessant, als inspirierend fragwürdig oder abschreckend? Für mich steht eines fest: Die Führungsrolle wird sich verändern und verlangt nach ganz neuen Kompetenzen.

Hernstein wird dafür in Kürze ein eigenes Programm für Key Player aus der Taufe heben. Sein Name: Nextperience. Seine Zauberformel: Social Skills & Digital Literacy. Neugierig geworden? − Stay tuned!

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