Gesund führen und nachhaltige High Performance erzielen

5 Min. 02.06.2015 Mag. Monika Herbstrith-Lappe

Beruf oder Liebhaberei? Gesund führen und auf freudvoller Basis nachhaltige High Performance erzielen: Ich lege Wert darauf, eine hoch professionelle Amateurin und Dilettantin zu sein – und das in der High-Performance-Liga. Diese Erkenntnis habe ich beim Studieren des Klassikers der Glücksforschung „Flow: Das Geheimnis des Glücks“ von Mihály Csíkszentmihályi gewonnen. Mir sind die ursprünglichen positiven Sprachwurzeln bewusst geworden. In meiner provokaten Formulierung möchte ich verdeutlichen, welch krank machende Abwertung bezahlte Arbeit in unserer Gesellschaft erfahren hat, was sich auch sprachlich widerspiegelt.

Amateurhaft lieben und dilettantisch erfreuen

„Amateurhaft“ leitet sich vom lateinischen „amare“, d. h. „lieben“, ab. Im ursprünglichen Sinn sind Amateure und Amateurinnen Menschen, die das zu lieben verstehen, was sie tun. Ähnlich steht es um „dilettantisch“: Es kommt ebenfalls aus dem Lateinischen, nämlich von „delectare“, d. h. „sich an etwas erfreuen“. Dilettanten und Dilettantinnen erfüllt es mit Freude, was sie schaffen. „Liebhaberei“ wird steuerlich nicht anerkannt. Dabei wäre es eine gesunde, tragfähige Basis, den eigenen Beruf zu lieben und so nicht nur äußeren Erfolg, sondern auch innere Erfüllung zu finden.

Spaß nur in der Freizeit?

Im Zuge der Industrialisierung und der tayloristischen Zerhackung von Schaffensprozessen in Arbeitsschritte für das Fließband sind wir unserer Arbeit entfremdet worden. Spaß und Freude wurden als unprofessionell in die Freizeit verbannt. Das Wort Work-Life-Balance verdeutlicht, wie Arbeit vom Leben getrennt wurde. Das führt zu der von Professor Csíkszentmihalyi aufgezeigten widersprüchlichen Situation, dass Menschen einerseits in der beruflichen Lebenszeit häufiger beglückende Flow-Momente erfahren als in der Freizeit und dennoch wünschen, sie müssten nicht so viel arbeiten.

Im Zuge einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Emotion hat im Business Platz?“ wurde ich vom Moderator gefragt: „Diese Generation Y der in den 80er-Jahren Geborenen will immer Spaß an der Arbeit. Muss man ihnen nicht verdeutlichen, dass es um Disziplin und Ernsthaftigkeit geht?“ Meine Antwort: „Freiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, seines Zeichens Preußengeneral, hat schon gemeint: ‚Hüte dich vor dem Entschluss, zu dem du nicht lächeln kannst.‘ Im Neuroleadership weiß man, dass wir nur mit aktiviertem Lustzentrum kreativ lernen und nachhaltig gesunde Topleistung erzielen können.“

Frohes Schaffen

Joachim Bauer, Professor für psychosomatische Immunologie an der medizinischen Fakultät in Freiburg, appelliert in seinem Buch „Arbeit: warum unser Glück von ihr abhängt und wie sie uns krank macht“, die Handwerksmentalität wieder zu beleben. Handwerker und Handwerkerinnen erleben Freude am Schaffen und noch mehr Freude am Geschafften, an ihrem Werk.

„Welchen Nutzen bewirken Sie?“, „Was ist Ihr – direkter oder indirekter – Beitrag zum Kundennutzen und zum nachhaltigen Unternehmenserfolg?“, „Was ginge verloren, wenn Sie Ihren Job nicht oder nicht so gut machen würden?“ und daraus abgeleitet „Was macht Ihren Einsatz wertvoll?“ sind gute Einstiegsfragen für SINN-volle Dialoge in Mitarbeitergesprächen. Schließlich gehört es zu den menschlichen Grundbedürfnissen, Sinnvolles zu bewirken. Die Devise „Freudvoll tun statt arbeiten müssen“ verbindet ganz im Sinn unserer limbischen Anreizsysteme High Performance mit Liebhaberei.