Führung und Gesundheit sind kommuni­zierende Gefäße

Unternehmen bestehen, um gesellschaftliche Aufgaben zu lösen. Das geschieht, indem sie Produkte und Dienstleistungen produzieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Leistungen erbringen, können ihre Aufgabe gut erfüllen, wenn das Unternehmen hinderliche Faktoren aus dem Weg räumt. Menschen bekommen während eines Arbeitstages Hunger, also gibt es Kantinen. Andere Beispiele sind Arbeitsunfälle oder schleichende Gefährdungen, die krank machen können. Auch für diese Gefahren müssen Lösungen gefunden werden.

Da betriebliches Gesundheitsmanagement nicht zur Kernaufgabe des Unternehmens gehört,  muss es sich an die Logik der Führung und der Organisation anpassen, um erfolgreich sein zu können. Es darf die Kernprozesse des Unternehmens nicht stören, sondern muss sie unterstützen. Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass ein bewusster Umgang mit der Gesundheit ihrer Belegschaft die Produktivität steigert. Besonders erfolgreich sind sie, wenn sie zwei Ebenen bearbeiten.

Erfolgsfaktor 1: Das Top-Management steht dahinter

Das Top-Management eines Unternehmens setzt das Thema Gesundheit auf seine Agenda, begründet die Notwendigkeit, setzt Ziele und Prioritäten und stattet die Organisation mit entsprechenden Strukturen und Ressourcen aus. Die Gesundheit wird ein zusätzlicher Erfolgsfaktor für den Erfolg des Unternehmens. Geeignete Kennzahlen tragen wesentlich dazu bei, es fix auf der Agenda des Top-Managements zu verankern.

Erfolgsfaktor 2: Führungskräfte befähigen

Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Arbeit am Verhalten der Führungskräfte. Bewusstseinsbildende Workshops, strukturelle Maßnahmen wie z. B. die Einschränkung der Verfügbarkeit in der Freizeit und im Urlaub sind wichtige Signale des Unternehmens, dass Gesundheit ein wichtiger Wert ist. Ebenso wichtig sind konkrete Hilfestellungen für Krisensituationen.

Manche Unternehmen stellen ihren Führungskräften übersichtliche Materialien zur Verfügung, die Informationen über Krankheiten und psycho-soziale Probleme enthalten. Wie erkennt man ein drohendes Burnout oder Alkoholismus? Wie kann die Wiedereingliederung  nach langer Abwesenheit gelingen? Was kann die Führungskraft leisten und wo sind ihre Grenzen?  An wen kann sie sich wenden, wenn sie ihrerseits Unterstützung braucht?

Erfolgsfaktor 3: Führungskräfte sind gesundheitsbewusstes Vorbild

Führungskräfte sollten reflektieren, welche Signale sie aussenden, an denen sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Sicherheit orientieren werden. Wie gesundheitsbewusst arbeiten sie selbst? Machen sie Pausen? Essen sie in Ruhe? Sind sie im Urlaub und am Abend unerreichbar, außer in Krisensituationen?

Und wie gestalten sie die organisatorischen Rahmenbedingungen wie Arbeitsbedingungen, Arbeitsabläufe und Prozesse und Regeln für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Ist gesundheitsbewusstes Arbeiten wie z. B. Pausen machen, zwischendurch durchschnaufen, aber auch Krankheiten auskurieren und ähnliches unter diesen Bedingungen überhaupt möglich? Thematisieren sie bei ihren Vorgesetzten, dass gesundheitsbewusstes Arbeiten im gegebenen Spannungsfeld zwischen Zielen und Ressourcen nicht möglich ist? Sind ihre Führungskräfte bereit, solche Fragen zu besprechen? Wenn das gelingt, kann davon ausgegangen werden, dass betriebliches Gesundheitsmanagement als wichtiger Einflussfaktor auf den Erfolg des Unternehmens akzeptiert ist.