Design Thinking: Probleme lösen, neue Ideen entwickeln

10 Min. 19.10.2015 Eva-Maria Ayberk

Gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Wandel erzeugen dynamische und komplexe Systeme. Das Lösen komplexer Probleme gewinnt in Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Doch wie kommen wir zu wirklich guten Ideen? Design Thinking ist ein Mindset und eine Methode, um innovative Ideen zu finden. Design Thinking löst bestehende Abgrenzungen, wie wir sie aus unserem Arbeitsalltag kennen, auf. Hierarchische Unterschiede, Abteilungsdenken und Unternehmensgrenzen verschwinden im Design-Thinking-Prozess. Zentral dabei sind die 3 Ps:

  • People: Multidisziplinäre und vielfältige Teams spielen bei Design Thinking eine zentrale Rolle. Dabei gilt: Raus aus dem individualistischen Expertendenken, rein in kollaborierendes Arbeiten. Die viel beschworene kollektive Intelligenz ermöglicht erstaunliche Resultate.
  • Place: Ideen und Entscheidungen am Besprechungstisch bleiben meist eindimensional. Design Thinking nutzt Räume hingegen mehrdimensional. Tische und Stellwände sind beweglich. Flexible Sitzgelegenheiten und Arbeiten im Stehen und Gehen gehören dazu. Oberflächen, ob Fenster, Türen oder Glasflächen, werden frei genutzt. Visualisierung von Gedanken und Ergebnissen auf bunten Materialien wie Post-its gehören dazu.
  • Process: Der 6-stufige iterative Design-Thinking-Innovationsprozess verknüpft Ingenieurwesen mit den experimentellen Aspekten aus dem Design. Sozialwissenschaftliche Perspektiven werden stets mit dem Blick auf Neues kombiniert. Die Kundensicht steht dabei im Mittelpunkt. Empathie, die Grenzen des Machbaren verlassen und eine offene Fehlerkultur zulassen: das sind wichtige Zutaten bei Design Thinking.

Design Thinking eignet sich vor allem für Probleme, deren Lösungen noch kaum vorstellbar sind. Die Ergebnisse eines Design-Thinking-Prozesses sind erste Prototypen für Produktideen, Dienstleistungen und Erlebnisse. Auch wenn der Name irreführend ist, Design Thinking besteht vor allem aus aktivem Tun. Design Thinking muss man am besten selbst erlebt haben, um es ganz zu erfassen. Gute Praxisbeispiele finden Sie hier: http://thisisdesignthinking.net/

Sie möchten Design Thinking kennenlernen bzw. für sich selbst und Ihr Unternehmen nutzen? Wir haben 9 Anregungen, worauf Sie achten sollen:

  • Probieren Sie die Methode in Schnupperworkshops aus. Oder: Seien Sie dabei, wenn für diverse Teams in Projekten von Unternehmen Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesucht werden.

  • Finden Sie einen Design-Thinking-Experten, der die Methode gut beherrscht, das Mindset dahinter versteht und für den die Vor- und Nachbereitung des Prozesses ebenso wichtig ist wie deren Durchführung.

  • Werfen Sie Ihre bisherigen Vorstellungen und Erfahrungen zu Workshops im Allgemeinen am besten über Bord.

  • Seien Sie bereit, Zeit und Aufwand in die Vorbereitung zu investieren: Ein multidisziplinäres Team lässt sich nicht über Nacht organisieren. In den Phasen Beobachten und Testen werden echte Nutzer und Nutzerinnen sowie Ihre internen/externen Kunden und Kundinnen miteinbezogen. Gute Planung und Organisation sind dafür wichtig.

  • Der flexible Raum spielt eine wichtige Rolle. Hören Sie auf die Vorschläge des Design-Thinking-Experten oder der Design-Thinking-Expertin, was Raumauswahl und Möblierung betrifft. Räume lassen sich kostengünstig flexibilisieren. Oder nutzen Sie einen bestehenden Design-Thinking-Raum in Ihrer Nähe.

  • Gewöhnen Sie sich an Time-Boxing: Arbeiten mit und gegen die Uhr gehören zum Design Thinking einfach dazu.

  • Stellen Sie sicher, dass mit den Ergebnissen aus dem Design-Thinking-Prozess im Unternehmen tatsächlich weitergearbeitet wird. Sonst bleiben viele gute Ideen auf der Strecke.

  • Zeigen Sie Skeptikern und Skeptikerinnen, dass Design Thinking klassisches Business Thinking nicht ersetzt, sondern effizient ergänzt:

  • Nutzen Sie Design Thinking als Mindset für Ihren Management-Alltag. Halten Sie Ihr nächstes Management-Meeting im Stehen ab und visualisieren Sie die wichtigsten Gedanken und Inputs an einer Wand mittels Post its. Oder laden Sie eine fachfremde Person oder einen Kunden zur nächsten Expertendiskussion ein: Unerwartete Ergebnisse dabei sind durchaus erwünscht.

Design Thinking: 7 Fragen, 7 Antworten