Raus aus der Isso-Phase

Beate Bauer-Breitsching, RBI

Kennen Sie das? Eigentlich geht es uns gut. Sehr gut sogar. Wäre da nicht dieses Haar in der Suppe ... Statt die Suppe zu genießen, rümpfen wir die Nase wegen eines Haars. Apropos: Manch ein Unternehmen hat für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Kantine eingerichtet. Immer wieder sind Leute mit dem Essen unzufrieden und vergessen, dass eine eigene Kantine nicht selbstverständlich ist. Diese Unzufriedenheit in „verwöhnten Organisationen“ ist ein Phänomen, das auch der Raiffeisen Bank International (RBI) bekannt ist. Beate Bauer-Breitsching, Senior Learning & Development Manager bei RBI, resümiert: „Viele tolle Leistungen des Unternehmens sind für uns Alltag. Kein Wunder, dass man den Status quo nicht mehr schätzt.“ Was es heißt, in einer solchen Organisation zu führen, diskutierten Führungskräfte der RBI beim Workshop von Hernstein. „Unsere Führungskräfte nehmen in einer Doppelfunktion am Workshop teil. Einerseits nehmen sie die Verwöhntheit in ihren Teams wahr und andererseits sind sie davor auch selbst nicht gefeit“, so Beate Bauer-Breitsching.

Impuls und Reflexion

Der Workshop ist Teil einer Serie an Veranstaltungen, die sich an erfahrene Führungskräfte – von Team- bis Bereichsleitung – richtet. Eine Veranstaltung findet auf Englisch statt, sobald eine nicht Deutsch sprechende Person sich dafür anmeldet. Seit rund eineinhalb Jahren läuft diese Serie sehr erfolgreich. RBI lädt dabei immer zu einem gemeinsamen Frühstück, bei dem viele Führungskräfte einander zum ersten Mal begegnen. „Der Mix aus verschiedenen Bereichen ist sehr gewünscht“, erzählt Beate Bauer-Breitsching. Der anschließende Workshop gibt einen Anstoß, um miteinander zu einem bestimmten Thema zu diskutieren und Erfahrungen – aus der IT genauso wie aus der Buchhaltung – auszutauschen. Das Ziel: „Wir wollen langjährige Führungsprofis in eine Reflexionsschleife bringen.“ Die Veranstaltungen sollen also mehr Impulse als Inputs liefern – wenngleich der Workshop „Führen in verwöhnten Organisationen“ sehr gut einsetzbare Werkzeuge vermittelt. Beate Bauer-Breitsching, die selbst auch teilgenommen hat, sagt: „Beeindruckt hat uns unter anderem das Modell der ‚Isso-Phase‘. Dabei erkennt man sich wirklich wieder.“ Trainerin Alexandra Prammer spricht damit eine von 3 Sphären an: jene, in der Rahmenbedingungen direkt und unmittelbar von den anwesenden Personen nicht veränderbar sind, also etwa relevante Gesetze und Branchenspezifika. Sie erklärt auch, wie ein sinnvoller Umgang mit Themen aus dieser Sphäre aussehen kann. Andere Impulse führen den Führungskräften ihre Vorbildwirkung vor Augen: Was lebe ich vor, wenn ich selbst Business Class fliege, aber anderen ihre Dienstreisen streiche?

Nachhaltiger Aha-Effekt

Fragen wie diese erzeugen einen Aha-Effekt – und damit neue Sicht- und Denkweisen. Das Feedback der 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den 2 Workshops war durchwegs positiv, wie Beate Bauer-Breitsching berichtet: „Ein Teilnehmer erzählte, dass er die neuen Erkenntnisse 1:1 in die Teams tragen konnte und in Performance-Gesprächen thematisiert.“ Der Erfolg der Veranstaltungen zeigt sich auch an den Weiterempfehlungen: Viele Führungskräfte, die bisher noch gezögert hatten, sich anzumelden, wollen bei den nächsten Terminen unbedingt dabei sein.

RAIFFEISEN BANK INTERNATIONAL AG (RBI)

ist in Österreich eine der führenden Kommerz- und Investmentbanken. Zudem sieht sie auch Zentral- und Osteuropa (CEE) als ihren Heimmarkt an: Tochterbanken decken 14 Märkte der Region ab. Die Gruppe umfasst weitere Finanzdienstleistungsunternehmen in den Bereichen Leasing, Vermögensverwaltung und Mergers and Acquisitions.

Die RBI ist eine vollkonsolidierte Tochter der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB), die indirekt rund 60,7% der Aktien hält. Der Rest befindet sich im Streubesitz; die RBI-Aktie notiert an der Wiener Börse.

In Zahlen
51.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
14,2 Millionen Kundinnen und Kunden
rund 2.600 Geschäftsstellen – der überwiegende Teil in CEE

... und das sagt die Trainerin:

MAG. ALEXANDRA PRAMMER
hat Handelswissenschaften studiert. Ihre beruflichen Stationen: Fundraising Sozialbereich, Marketing/Sales Tourismus/Transport, Personalentwicklung Industrie, CEO IT/Telekommunikation. Seit 8—Jahren berät und coacht sie Führungskräfte.

Bei diesem Inhouse-Kurzworkshop stehen nur 3 bis 4 Stunden zur Verfügung. Ein klassisches Warm-up muss also sehr flott und idealerweise nebenbei geschehen. Das Thema „Führen in verwöhnten Organisationen“ weckt Emotionen: Was bilden sich die von HR und diese Trainerin ein? Ich war jedoch begeistert, wie schnell und offen sich alle Beteiligten auf diese Challenge eingelassen haben. Es wurde diskutiert, hinterfragt, ergänzt, bestätigt – es war ein Impuls, der einen intensiven Austausch und Reflexion für die Führungskräfte ermöglicht hat.Mir ist es dabei immer wichtig, dass beides stattfindet: die Möglichkeit zum Austausch – Zeit und Raum sind knapp in vielen Unternehmen – verbunden mit Inputs, die man gleich ausprobieren oder umsetzen kann. In dieser Hinsicht bin ich ein Fan von einprägsamen Modellen. Es ist keine Kunst, komplexe Zusammenhänge komplex darzustellen. Hilfreich wird es dort, wo es gelingt, zum Kern vorzudringen. Der ist meist gut fassbar: Sätze wie „Im Zwischenmenschlichen haben wir uns seit der Steinzeithöhle nur marginal weiterentwickelt“ sind natürlich überzeichnet, regen aber zum Nachdenken und Schmunzeln an. Überhaupt ist Humor ein hilfreicher Schlüssel, wenn man etwas verändern will.

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