Die Zukunfts-Challenge

Wie können Lehre und Forschung einer Fachhochschule zur Lösung der zukünftigen Herausforderungen von Unternehmen beitragen? Dieser Frage widmete sich die FHWien der WKW zusammen mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft. Ideales Setting für diese Frage: der interdisziplinäre und nutzerzentrierte Ansatz Design-Thinking, begleitet von Hernstein.

Innovativ und produktiv

Eine Design Thinking Challenge ist eine geeignete Methode,  wenn es darum geht, auf komplexe Fragen innovative Antworten zu finden. Bei Design Thinking steht der Kundennutzen im Fokus: Kundinnen und Kunden werden zu Interviews eingeladen, in denen sie Einblicke in ihre Lebenswelt geben. Das ermöglicht, künftige Leistungen möglichst genau auf die Zielgruppe zuzuschneiden. Der Design Thinking-Prozess ist ergebnisoffen und wird von Facilitatorinnen statt Trainerinnen oder Trainern begleitet. Er hat 6 Phasen, die iterativ bearbeitet werden. Im 3­tägigen Zukunftsworkshop der FHWien der WKW ging es für das Kernteam zuerst darum, die Aufgabe möglichst genau zu definieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FH führten dazu Interviews mit Top-­Führungskräften aus Firmen aller Größen und unterschiedlichsten Branchen. Dabei hörten sie vor allem zu, um zu verstehen, wie die Frage aus der Perspektive der Unternehmen aus­sieht. Michael Heritsch, Geschäftsführer der FHWien der WKW, fasst zusammen: „Die grundlegende Frage war, wie sich Unternehmen in den nächsten 10 Jahren verändern werden und welche Herausfor­derungen sich daraus ergeben. Wie können wir als Hochschule diesen Prozess unterstützen? Welche Möglichkeiten haben wir in Lehre und Forschung, um unsere Absolventinnen und Absolventen auf die Anforderungen der Wirtschaft vorzubereiten?“ Beate Huber, die Kollegiumsleiterin, ergänzt: „Um Ant­worten zu finden, haben wir uns für Design Thinking entschieden: Wir wollen externen Input offensiv in die Diskussion einbringen. Von diesem offenen  Format haben wir uns gänzlich neue Ideen erwartet.“

Die Design-Challenge

Am ersten Tag wurden die Gäste aus der Wirtschaft befragt. Danach ging es wieder in die Arbeit in Klein­gruppen: Welche Schlüsse können aus dem Gehörten gezogen und welche Ideen entwickelt werden? Was heißt das für die zukünftigen Lehrpläne? Jede Kleingruppe wählte aus den gesammelten Ideen eine aus und baute einen Prototyp dazu, um die Idee zu visualisieren.

Im Design Thinking wird dieser Abschnitt oft „Den­ken mit den Händen“ genannt und ist zumeist der kreativste Teil des Prozesses. Anschließend werden die Prototypen den davor Interviewten vorgestellt.Dieser Test gibt Aufschluss darüber, ob die Inter­views richtig verstanden worden sind. So entsteht nach und nach ein umfassendes Bild der unter­nehmerischen Realität.

Die Antworten auf die Frage, wie die FH zur Lösung unternehmerischer Probleme beitragen kann,  wurden schrittweise konkreter. Auf beiden Seiten gab es so manches Aha-­Erlebnis. Für die eine oder andere Prototyp­-Entwicklungsgruppe hieß es: „Kill your Darlings“, also zurück an den Start. Am dritten Tag des Workshops wurden die Ergebnisse ausge­wertet: Die entwickelten Ideen wurden verdichtet, konkrete Schritte und Bedürfnisse definiet und im Plenum präsentiert.

4 Schwerpunkte kristallisierten sich dabei für die FHWien der WKW heraus:

  •  Forcierung des unternehmerischen Denkens bei Studierenden und in der Hochschule
  • Ermöglichen neuer Sichtweisen für Mitarbeiterin­nen und Mitarbeiter
  • Erhöhung des Einsatzes und der Vermittlung  in Hinblick auf die Themen IT/Technologie/ Digitalisierung
  • Einsatz neuer didaktischer Modelle in der Lehre

Michael Heritsch hat nun neue Inhalte bzw. starke Impulse für zukünftige Lehrpläne: „Wir wollen die Ergebnisse in laufende und neue Projekte einbringen. Einige Themen sind für uns nicht neu, aber jetzt hat sich gezeigt, wie bedeutend sie sind. Andere Themen sind im Augenblick nicht umsetzbar oder müssen noch detaillierter überdacht werden.“

FHWIEN DER WKW

Die FHWien der WKW ist eine Fachhochschule für Management und Kommunikation. Eng vernetzt mit den heimischen Unternehmen bietet die FHWien der WKW eine ganzheitliche und praxisbezogene akademische Ausbildung für derzeit mehr als 2.600 Bachelor-, Master- und Weiterbildungs-Studierende. 2 Drittel der Lehrenden kommen direkt aus der Wirtschaft. Ziel ist es, die Absolventinnen und Absolventen exakt auf die Bedürfnisse der Wirtschaft vorzubereiten.

Derzeit laufen 17 Bachelor- und Master-Studien, wobei die Bachelor-Studien großteils in der berufsbegleitenden als auch in der Vollzeit-Studienvariante belegt werden können. Master-Studiengänge werden ausschließlich in der berufsbegleitenden Variante angeboten. Darüber hinaus umfasst das Portfolio der FHWien der WKW 10 Weiterbildungsprogramme, die akademische Abschlüsse für Berufserfahrene ermöglichen. 

... und das sagen die Facili­ta­to­rinnen:

Um Design Thinking ist in letzter Zeit ein richtiger Hype entstanden. Damit diese Methode jedoch verwertbare Ergebnisse für die Praxis bringt,  genügt es nicht, einfach auf den Design-Thinking- Zug aufzuspringen. Vielmehr sollte man vorab genau hinterfragen, was man damit erreichen will und was mit den Ergebnissen danach passiert. Dazu bedarf es guter Vorbereitung: Wesentliche Punkte sind die passende Design-Frage, die Definition des Users, ein multidisziplinäres Arbeitsteam, variable Raumgestaltung.  Wichtig ist auch das Eintauchen in die User-Welt. Wer einmal erkannt hat, welches Potenzial in  gut gemachtem Design Thinking steckt, ändert seine Einstellung zu Innovation grundlegend, meist mit durchschlagendem Erfolg.

MAG. EVA-MARIA AYBERK
arbeitet weltweit vernetzt zum Thema Modern Leadership. Sie experimentiert mit neuen, oft auch radikalen Methoden und designt daraus innovative Lösungen in Co-Creation mit ihren Kunden. Aktuell richtet sie ihren Fokus auf Innovation, Agilität und Digitalisierung.

DR. LISA KRATZER
ist Expertin für Leadership und Organisationsformen in der digitalisierten Welt sowie für das Management von Marken und Netzwerken. Sie ist Co-Autorin des Buchs über agiles Leadership „Weil Führung sich ändern muss. Aufgaben und Selbstverständnis in der digitalisierten Welt“. Ihre Leidenschaft ist Co-Creation mit Design Thinking.

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