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Führungskräfte und Emotionen (Nr. 3/2012)

Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach Emotionen in Unternehmen? Was verbinden Sie mit dem Begriff "Emotionale Führung"? Was glauben Sie ist die Wirkung von authentisch eingesetzten Emotionen? Wie, denken Sie, lässt sich "emotionale Führung" am besten entwickeln?

Emotionen in Unternehmen

Wo Menschen am Werken sind, sind auch immer Emotionen im Spiel. Diese „alte“ Weisheit wird von den befragten Führungskräften ähnlich gesehen:

69 Prozent aller Befragten messen Emotionen im Unternehmen eine hohe Bedeutung bei. Interessanterweise steigt dieser Wert mit der Größe des Unternehmens, ebenso wie bei eigentümergeführten Unternehmen.

Rund ein Viertel gibt an, dass Emotionen in den Unternehmen wenig Bedeutung haben. Lediglich 2 Prozent aller befragten Großunternehmen (ab 100 MitarbeiterInnen) negieren das Vorhandensein von Emotionen in den Unternehmen gänzlich.

Länderspezifisch lassen sich in dieser Frage keine Unterschiede herausstreichen. Das alte Klischee „die emotionalen Österreicher und die rationalen Deutschen“ lässt sich kaum aufrechterhalten.

3-2012 Frage1

Emotionale Führungskräfte?

Die Mehrheit der befragten Führungskräfte ist sich der eigenen Emotionen, aber auch den Erwartungen des Umfelds gegenüber bewusst. So antworten insgesamt 63 Prozent, dass sie die eigenen Emotionen wahrnehmen, jedoch versuchen möglichst rational zu handeln. Vor allem unter österreichischen Führungskräften ist diese Einstellung zu den eigenen Emotionen und dem Umgang mit diesen noch stärker verbreitet (74 Prozent) als bei Deutschen (59 Prozent) oder gar Schweizer Kollegen (54 Prozent).

Ein Drittel der Befragten steht zu den eigenen Emotionen und setzt diese gezielt im betrieblichen Kontext ein. Allen voran Schweizer (40 Prozent) und Deutsche Führungskräfte (38 Prozent), in Österreich sind es signifikant weniger (22 Prozent).

Die typischen Choleriker scheinen, zumindest nach Selbsteinschätzung der Führungskräfte, nur sehr vereinzelt in den Führungsetagen zu finden zu sein. Lediglich 3 Prozent geben an, dass sie immer sehr emotional handeln, so auch im betrieblichen Umfeld.

Ein fast zu vernachlässigbares Prozent der Führungskräfte behauptet im betrieblichen Umfeld gar keine Emotionen zuzulassen.

3-2012 Frage2

Assoziationen zum Begriff „emotionale Führung“

Auf die Frage nach den Assoziationen zum Begriff „emotionale Führung“ werden von den Befragten durchwegs positive Aussagen in Verbindung gebracht.

Für die Mehrheit der befragten Führungskräfte bedeutet emotionale Führung vor allem, die Gefühle so handzuhaben, dass sie der Situation angemessen sind sowie der Wahrnehmung der eigenen Gefühle und jener des Gegenübers. Im Wesentlichen beschreiben diese beiden Aussagen den Umgang der Führungskräfte mit Emotionen, wie man an der vorhergehenden Frage sehen konnte. D.h auch, dass die Führungskräfte hinter Ihrem Handeln stehen und Emotionen bewusst kanalisieren.

40 Prozent verbinden mit „emotionaler Führung“ die eigene Leidenschaft auf andere zu übertragen. Allen anderen Aussagen zur emotionalen Führung wird weniger bzw. kaum zugestimmt.

3-2012 Frage3

Wirkung von authentisch eingesetzten Emotionen

Wie bereits bei der Frage zuvor werden mit emotionaler Führung vor allem positive Auswirkungen verbunden.

Interessanterweise stehen vor allem unternehmerische Auswirkungen im Vordergrund und weniger eigene Vorteile, die man durch emotionale Führung erwirken kann. So sind mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (56 Prozent) der Meinung, dass authentisch eingesetzte Emotionen zu mehr Offenheit und Kreativität im Unternehmen führen.

Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hofft auf die Förderung von Leistung und Produktivität bei den MitarbeiterInnen aufgrund von authentisch eingesetzten Emotionen. Dies wird nur gelingen, wenn Emotionen nicht gleichzeitig Angst im Unternehmen verbreiten, sondern positiv eingesetzt werden.

Aber auch zuvor angesprochene persönliche Vorteile aufgrund authentisch eingesetzter Emotionen im Unternehmen werden von den befragten Führungskräften genannt: 34 Prozent führen eine einfachere Gestaltung von Beziehungen darauf zurück, 23 Prozent meinen, dass die eigene Gesundheit dadurch gefördert wird und weitere 22 Prozent hoffen auf Gefolgschaft bei den MitarbeiterInnen, wenn diese emotional geführt werden.

Auch wenn alle vorgegebenen Aussagen mit Absicht positiv formuliert wurden, so sind die Antworten dennoch kritisch zu hinterfragen. Emotionen werden in den Unternehmen mittlerweile zwar positiv gesehen, ganz nach dem Motto “wir sind ja alle nur Menschen”. Jedoch darf die Komponente der negative Emotionen und die Auswirkungen dieser, beispielsweise durch brüllende Führungskräfte, nicht außer Acht gelassen werden.

3-2012 Frage4

Wie lässt sich emotionale Führung entwickeln?

Bleibt man beim positiven Bild der emotionalen Führung, so lässt sich diese auf unterschiedliche Arten Erlernen bzw. Weiterentwickeln. Welcher Weg der bestgeeignete dafür ist, darüber sind sich die befragten Führungskräfte in allen drei Ländern uneinig:

29 Prozent plädieren für eine Ausbildung im Rahmen einer allgemeinen Führungskräfteaus- und Weiterbildung. Emotionale Führung quasi als Lehrinhalt wie Change Management oder andere Führungsthemen. Insbesondere Schweizer Führungskräfte befürworten diese Alternative (40 Prozent, in Österreich nur 18 Porzent).

Österreichische Führungkräfte hingegen sprechen sich zu fast einem Drittel für “Learning on the Job” aus. Insgesamt, über alle drei Länder hinweg, sprechen sich 25 Prozent für diese Vorgehensweise zur Entwicklung von emotionaler Führung aus. Das bedeutet auch implizit, dass Führungskräfte davon ausgehen, dass emotionale Führung nach einer längeren Entwicklung verlangt.

Weitere 25 Prozent halten ein Einzelcoaching für den besten Weg, um emotionale Führung zu erlernen, zuzulassen bzw. erst zu entwickeln.

Alle anderen Entwicklungsformen finden bei den Führungskräften kaum Anklang.

3-2012 Frage5

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