Community of Practice – Simulation für Innovation
Im Gespräch: Dr. Willi Nowak, Geschäftsführer des VCÖ – Verkehrsclub Österreich, über die Community of Practice.
Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Community of Practice (CoP)?
Ich nehme bereits zum dritten Mal an einer Community of Practice teil. Alle 6-8 Wochen finden in diesem, sich selbst organisierenden Netzwerk, 6-stündige extern begleitete Workshops mit ca. 10 Teilnehmenden statt. Die eigenen Fallbeispiele und die Arbeit an den Fällen der anderen TeilnehmerInnen bringen wichtige Erkenntnisse für die eigene Arbeit. Persönlich hat mir die CoP nicht nur enormes theoretisches Wissen vermittelt, sondern auch Lösungswege in ganz konkreten Fragestellungen eröffnet.
Was ist das Besondere an der CoP?
Wer Innovatives schaffen möchte, braucht ein Außen als Reflexionsebene. Etwas Neues entsteht meist erst in den Augen der beobachtenden Person. Die Community of Practice simuliert dieses Außen und ermöglicht eine Art Probehandeln für die Zukunft. Durch das Simulieren im geschützten Rahmen können mögliche Fehleinschätzungen vorweg korrigiert werden. – Damit ist ein deutlicher Startvorteil für Innovation in der „realen“ Welt gewährleistet
Welche Fragestellungen eignen sich aus Ihrer Sicht besonders gut zur Bearbeitung in der CoP?
Als besonders geeignet halte ich komplexe Fragestellungen. Beispielsweise hat der VCÖ Fragen, wie etwa die Einführung eines organisationsübergreifenden Ideenmanagements, bearbeitet. Da dies auch mit Gehaltszuschlägen verbunden sein sollte, war es wichtig, mehrere, für uns wesentliche, Faktoren über die Simulation auszuarbeiten: Welche Seiteneffekte würden bei den Beschäftigten entstehen, wo könnten blinde Flecken des Managements liegen und wie würde das Umfeld reagieren. Die CoP eignet sich auch sehr gut für Fragen des Veränderungsmanagements, wie etwa die Einführung einer Zweier-Geschäftsführung anstelle einer Einpersonenführung etc.
Was kann von der Teilnahme an der CoP erwartet werden?
Die Community of Practice bietet eine Reflexionsebene des eigenen Wissensstandes. Beispielsweise indem eine Idee oder Fragestellung eingebracht wird, die aus der Sicht der anderen kritisch hinterfragt wird. Zusätzlich bietet die Community die Möglichkeit, Einzelaspekte (z.B. die Namensgebung eines neuen Produktes oder Prozesses) im Detail gemeinsam zu bearbeiten. Und es besteht die Option, die gesamte Organisation bzw. deren Abläufe aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Was ist von Seiten der Teilnehmenden zu beachten, um die CoP optimal nutzen zu können?
Eine Community of Practice arbeitet nach Netzwerk-Kriterien. Wer daran teilnimmt, sollte sich bewusst sein, dass die Community aus Geben und Nehmen besteht, und eine offene und intensive Auseinandersetzung gefragt ist. Die Teilnehmenden beteiligen sich gemeinsam an den individuellen Fragestellungen, eigene blinde Flecken werden von den anderen leichter gesehen und deren Hinweise sind wertvolle Informationen für notwendige Veränderungsschritte am eigenen Konzept. Nach meiner Erfahrung empfiehlt es sich, dass zwei oder mehr Personen einer Organisation daran teilnehmen. – Dies stellt die Kontinuität für die Community sicher und fördert die Reflexion in der eigenen Organisation.
Vielen Dank für das Interview!














