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Karrieremüde Führungskräfte? (5/2005)

Wie werden Fachkarrieren im Unternehmen gesehen? Sind Maßnahmen zur work-life-balance im Unternehmen vorhanden? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich der aktuelle Hernstein Managament Report, eine Studie des Hernstein Instituts zu aktuellen Trends im Bereich Führung, Organisations- und Personalentwicklung.
Lesen Sie in der nachfolgenden Zusammenfassung mehr über die wichtigsten Ergebnisse zu diesem Thema.

Gibt es im Unternehmen Führungskräfte, die den nächsten Karriereschritt aus Gründen einer ausgeglichenen work-life-balance bewusst abgelehnt haben?

In einem Drittel aller befragten Unternehmen gibt es Führungskräfte, die den nächsten Karriereschritt aus Gründen einer ausgeglichenen work-life-balance schon einmal bewusst abgelehnt haben.

Bei 7 Prozent aller Unternehmen kommt dies mehrfach vor, bei jedem vierten Unternehmen nur als Ausnahmefälle.

Hingegen ist in 61 Prozent der Unternehmen den Führungskräften der nächste Karriereschritt wichtiger als eine ausgeglichene work-life-balance. In Österreich sind es sogar drei Viertel der Unternehmen. In Österreich scheint generell, wie auch die nächsten Fragen zeigen, das Thema work-life-balance weniger ausgeprägt und diskutiert zu werden als in den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz (offensichtlich auch ein Zeichen dafür, dass es in Österreich noch immer etwas gemütlicher zugeht).
So geben 76 Prozent der befragten österreichischen Manager an, dass keine Führungskräfte in ihrem Unternehmen aus work-life-balance Gründen einen nächsten Karriereschritt abgelehnt haben, in Deutschland und der Schweiz hingegen kommt es durchaus als große Ausnahme vor.

Generell lässt sich sagen, dass in managementgeführten Unternehmen und mit der Größe des Unternehmens den Führungskräften eine ausgeglichene work-life-balance wichtiger ist und sie deshalb auch öfters den nächsten Karriereschritt bewusst ablehnen.
So geben 35 Prozent der befragten Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern an, dass in Ausnahmefällen auf die Karriere bewusst verzichtet wird – in Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern hingegen liegt der Wert bei 9 Prozent.

Wie werden Fachkarrieren im Unternehmen gesehen?

In der Schweiz sind Fachkarrieren gegenüber Führungskarrieren am attraktivsten und am häufigsten zu finden. 56 Prozent der Schweizer Manager geben an, dass Fach- und Führungskarrieren gleichwertig sind auch finanziell. In Österreich hingegen werden Fachkarrieren noch kaum angenommen bzw. gefördert. Sie werden auch keineswegs als gleichwertig zu Führungskarrieren gesehen und nicht als Karrierechance erlebt!

In mehr als der Hälfte aller Schweizer Großunternehmen (56 Prozent) sind Fachkarrieren bereits gleich attraktiv wie Führungskarrieren. Es gibt in beiden Bereichen klare Karrieremöglichkeiten und keine finanziellen Unterschiede. In Österreich sind es lediglich 27 Prozent der Unternehmen und in Deutschland 26 Prozent der Unternehmen.

In fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen (32 Prozent) werden Fachkarrieren bewusst gefördert und bereits auch schon angenommen. Dennoch sind Führungskarrieren im Ansehen und Gehalt attraktiver. In der Schweiz sind es 28 Prozent der Unternehmen, die Fachkarrieren fördern, und in Österreich 24 Prozent.

In weiteren 30 Prozent aller deutschen Unternehmen gibt es erste Ansätze zur Förderung von Fachkarrieren. Fachkarrieren werden aber noch nicht als wirkliche Karrierechance gesehen. In der Schweiz sind es 5 Prozent der Unternehmen und in Österreich 16 Prozent.

Wenn deutsche Unternehmen weiterhin Fachkarrieren derart fördern, kann man davon ausgehen, dass sie ihre Schweizer Kollegen bald einholen werden.

Österreichische Unternehmen hinken jedoch weiterhin stark den Unternehmen aus Deutschland und vor allem der Schweiz hinterher: in einem Viertel der österreichischen Unternehmen sind Fachkarrieren noch immer kein Thema und werden daher auch nicht als Karrierechance gesehen.

Sind Maßnahmen zur work-life-balance im Unternehmen vorhanden?

Flexible Arbeitszeitmodelle gibt es schon in 91 Prozent der Großunternehmen ab
100 Beschäftigten.

In mehr als der Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) gibt es Angebote zu Sport und Fitness. In fast der Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) gibt es die Möglichkeit zur Telearbeit.
Allerdings bieten erst 21 Prozent aller befragten Unternehmen Kinderbetreuung an.

Länderspezifisch hat die Studie aber große Unterschiede ergeben: Österreichische Unternehmen hinken in allen genannten Maßnahmen zur work-life-balance stark hinterher. Diese Unterschiede rühren daher, dass in Österreich das Thema work-life-balance noch einen geringen Stellenwert hat.

So bieten erst 5 Prozent aller Unternehmen ab 100 Beschäftigten in Österreich ihren Mitarbeitern Kinderbetreuung an. Die Möglichkeit zur Telearbeit findet sich erst in einem Drittel der österreichischen Großunternehmen. Flexible Arbeitszeiten findet man in 88 Prozent aller befragten österreichischen Unternehmen und Angebote zu Sport und Freizeit in doch 45 Prozent der Unternehmen.
Vor allem im Bereich der Kinderbetreuung hinkt Österreich mit 5 Prozent stark hinterher. So gibt es in 35 Prozent der Schweizer und 21 Prozent der deutschen Unternehmen Maßnahmen zur Kinderbetreuung. Aber auch in puncto Telearbeit ist der österreichische Wert (33Prozent) um rund die Hälfte niedriger als in deutschen und Schweizer Betrieben.

Allgemein lässt sich jedoch aus der Studie ableiten, dass Maßnahmen zur work-life-balance mit steigender Unternehmensgröße eher vorhanden sind.
So bieten nur 36 Prozent der Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern die Möglichkeit der Telearbeit an, hingegen 61 Prozent der Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern.

Wie werden Sabbaticals im Unternehmen gesehen?

Auch bei der Möglichkeit Sabbaticals in Anspruch zu nehmen, liegen die Schweizer vor den Deutschen und Österreichern.

In 14 Prozent der Schweizer Unternehmen sind Sabbaticals anerkannt. Dafür gibt es auch klare Regelungen und auch praktische Erfahrungen. In weiteren 49 Prozent der Schweizer Großunternehmen sind Sabbaticals grundsätzlich möglich, jedoch noch nicht klar geregelt.

In lediglich 35 Prozent der Schweizer Großunternehmen gibt es keine Sabbaticals.

Wie schon bei den anderen Maßnahmen der work-life-balance bilden österreichische Unternehmen eindeutig das Schlusslicht: in nur 16 Prozent der Unternehmen ist es möglich, eine Auszeit vom Job zu nehmen. 82 Prozent hingegen geben an, dass Sabbaticals kein Thema sind.

Deutsche Unternehmen liegen im Mittelfeld. 32 Prozent geben an, dass Sabbaticals grundsätzlich möglich sind, wenn auch nicht klar geregelt. 61 Prozent geben an, dass Sabbaticals in ihrem Unternehmen nicht möglich sind.

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