Die Rolle der Personalabteilung in osteuropäischen Unternehmen (2/2004)
Welche Aufgaben werden von den Personalabteilungen in osteuropäischen Unternehmen wahrgenommen? Wer initiiert Aus- und Weiterbildunsmaßnahmen im Unternehmen? Und inwieweit bilden Bildungsbedarfsanalysen die Grundlage für Aus-und Weiterbildungsprogramme? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich der aktuelle Hernstein Management Report. Lesen Sie mehr darüber in der nachfolgenden Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.
- >Verfügen osteuropäische Unternehmen über eine eigene Personalabteilung?>
- >Welche Aufgaben werden von der Personalabteilung wahrgenommen?>
- >Wer initiiert Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Unternehmen?>
- >Inwieweit bilden Bildungsbedarfsanalysen die Grundlage für Aus- und Weiterbildungsprogramme?>
Verfügen osteuropäische Unternehmen über eine eigene Personalabteilung?
Durchschnittlich verfügen 88 Prozent der befragten Großunternehmen (100 Beschäftigte und mehr) in Slowenien, Ungarn und der Tschechischen Republik über eine eigene Personalabteilung. Der Ländervergleich zeigt jedoch, dass in Tschechien und Slowenien so gut wie jedes Großunternehmen über eine Personalabteilung verfügt (97 bzw. 93 Prozent) während in Ungarn nur 75 Prozent der Unternehmen eine Personalabteilung haben.
Vergleicht man die Ergebnisse mit der vorangegangenen Befragung in Österreich, Deutschland und der Schweiz so zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Durchschnitt können ebenfalls 88 Prozent der Großunternehmen auf eine eigene Personalabteilung zurückgreifen. Unter diesen drei Ländern liegt Österreich mit 75 Prozent, wie Ungarn, zurück. Deutsche und Schweizer Unternehmen hingegen verfügen zu 100 (D) bzw. 90 Prozent (CH) über eine eigene Personalabteilung.
Interessant ist auch der Vergleich der Eigentümer-geführten Unternehmen mit den Management-geführten. So verfügen 91 Prozent der Management- geführten Betriebe über eine eigene Personalabteilung, jedoch nur 80 Prozent der Eigentümer-geführten.
Welche Aufgaben werden von der Personalabteilung wahrgenommen?
An den ersten beiden Stellen stehen in allen 3 osteuropäischen Ländern Personalplanung/Beschaffung sowie die Personalentwicklung, d.h. die klassischen Personalaufgaben. Erst danach folgt die Mitwirkung bei der Vorbereitung von Reorganisationen und etwas mehr als die Hälfte der Personalabteilungen in Großunternehmen wird in die Entwicklung der Unternehmensstrategie eingebunden. Hier ist jedoch ein großer Unterschied zwischen Ungarn, Tschechien und Slowenien erkennbar. Während 64 Prozent der tschechischen Unternehmen ihre Personalabteilung in die Entwicklung der Unternehmensstrategie einbinden, bestätigen dies nur 46 Prozent der slowenischen Manager. Ungarische Betriebe liegen mit 57 Prozent im Mittelfeld.
Abgeschlagen an letzter Stelle stehen Outplacement-Programme, diese Aufgabe wird von den Personalabteilungen im Vergleich zu den anderen Aufgaben am seltensten wahrgenommen. Im Schnitt von 41 Prozent der osteuropäischen Personalabteilungen. Interessant ist der Ländervergleich mit der vorangegangenen Befragung in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Hier liegt der Wert überhaupt bei nur 33 Prozent.
Der Vergleich aller 6 Länder zeigt, dass österreichische Personalabteilungen alle genannten Aufgabenbereiche weniger wahrnehmen als Personalabteilungen in den anderen befragten Ländern.
Die größten Unterschiede zwischen den Ländern bestehen im Bereich der Mitwirkung bei der Entwicklung der Unternehmensstrategie: während Schweizer Personalabteilungen zu fast zwei Drittel (65 Prozent) in die Entwicklung der Unternehmensstrategie miteinbezogen werden, sind es in Österreich gerade mal ein Drittel (32 Prozent).
Grundsätzlich zeigt sich, dass osteuropäische Unternehmen ihre Personalabteilungen stärker in die benannten Agenden einbinden. So arbeiten nur 58 Prozent der Personalabteilungen in österreichischen Unternehmen an Reorganisationen mit, während dies 76 Prozent der ungarischen, 74 Prozent der tschechischen und 69 Prozent der slowenischen Manager bestätigen.
Wer initiiert Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Unternehmen?
Die Initiativen und Programme bei Aus- und Weiterbildung in den EU-Beitrittsländern gehen am häufigsten von der Unternehmensleitung aus, gefolgt von Fachabteilungen und den Personalabteilungen selbst.
Die Länderergebnisse weisen jedoch große Unterschiede auf: während beispielsweise in tschechischen Unternehmen die Initiative zur Aus- und Weiterbeildung zu 41 Prozent von der Personalabteilung ausgeht, kommt in slowenischen Unternehmen die Weiterbildungsinitiative nur zu 12 Prozent von der Personalabteilung. Hier ist vor allem die Unternehmensleitung initiativ. Ähnlich in Ungarn, Auch hier geht die Weiterbildungsinitiative nur zu 18 Prozent von der Personalbteilung aus. Jedoch zu 45 Prozent von der Unternehmensleitung.
Im Vergleich zur vorangegangenen Befragung in Deutschland, Österreich und der Schweiz fällt auf, dass die Initiative zur Aus- und Weiterbildung in den EU -Beitrittsländern meist von oben kommt, d.h. der Unternehmensleitung selbst, während in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Initiative eher von untern ausgeht, d.h. von den Fachabteilungen bzw. den Mitarbeitern selbst. So werden im Schnitt 16 Prozent der Weiterbildungsprogramme in den deutschsprachigen Ländern von den Mitarbeitern selbst initiiert, während dieser Wert in den osteuropäischen Ländern bei nur 6 Prozent liegt.
Inwieweit bilden Bildungsbedarfsanalysen die Grundlage für Aus- und Weiterbildungsprogramme?
Bevor jedoch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen beschlossen werden, werden meist Bildungsbedarfsanalysen in den Unternehmen durchgeführt.
Die Durchführung von Bildungsbedarfsanalysen hängt stark mit der Unternehmensgröße zusammen. Je größer das Unternehmen, desto eher werden Bildungsbedarfsanalysen durchgeführt. So führen 70 Prozent der osteuropäischen Unternehmen mit 100 – 249 Beschäftigen Bildungsbedarfsanalysen durch, und immerhin 80 Prozent der Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern.
Vorreiter sind slowenische Unternehmen mit 78 Prozent, dicht gefolgt von Ungarn (74 Prozent) und Tschechien (73 Prozent).
Vergleicht man die Ergebnisse mit jenen der vorangegangenen Befragung in Österreich, Deutschland und der Schweiz, so zeigt sich, dass am häufigsten Unternehmen der neuen EU-Länder Bildungsbedarfsanalysen durchführen. Danach folgen deutsche und Schweizer Unternehmen (je 67 bzw. 68 Prozent).
Österreichische Unternehmen stellen in diesem Bereich das Schlusslicht dar: lediglich in 57 Prozent der Unternehmen werden Bildungsbedarfsanalysen durchgeführt bevor Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen beschlossen werden.
Der höhere Anteil von Bedarfsanalysen für Weiterbildung bei den neuen EU-Partnern korreliert mit der deutlich häufigeren Initiative zur Weiterbildung von „oben“.














