Beratereinsatz in Unternehmen (6/2004)
Wie viele osteuropäische Unternehmen nutzen externe Berater und welche Kriterien sind für die Beraterauswahl entscheidend? Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich der aktuelle Hernstein Management Report. Lesen Sie mehr darüber in der nachfolgenden Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse zu diesem Thema.
- >Wieviele Unternehmen setzen Berater ein bzw. planen einen Einsatz?>
- >Wo liegen die Gründe für den Beratereinsatz?>
- >Welche Kriterien sind bei der Beraterauswahl ausschlaggebend?>
- >In welchen Bereichen werden Berater am häufigsten eingesetzt?>
Wieviele Unternehmen setzen Berater ein bzw. planen einen Einsatz?
Mehr als drei Viertel , 78 Prozent, der Unternehmen in Ungarn, der tschechischen Republik und Slowenien haben in den letzten drei Jahren externe Berater in Anspruch genommen.
Für das nächste Jahr plant knapp die Hälfte, 47 Prozent, der ungarischen, tschechischen und slowenischen Unternehmen externe Berater hinzuzuziehen.
Im Vergleich der osteuropäischen Länder untereinander haben slowenische Unternehmen eindeutig die Nase vorn: 82 Prozent der Unternehmen haben in den letzten drei Jahren Berater konsultiert und 57 Prozent der slowenischen Großunternehmen planen dies für das nächstes Jahr. In Tschechien sind es hingegen nur 72 Prozent, die in den letzten 3 Jahren Berater in Anspruch genommen haben und 44 Prozent planen einen Einsatz im kommenden Jahr.
Vergleicht man die Ergebnisse der osteuropäischen Ländern mit jenen der vorangegangenen Befragung in Österreich, Deutschland und der Schweiz, so zeigt sich dass die
Unternehmen der neuen EU-Mitglieder in punkto Nutzung externer Berater längst zu Österreich, Deutschland und der Schweiz aufgeschlossen haben bzw. vor allem das im Vergleich Berater-resistente Österreich schon klar überholt haben.
Österreichische Unternehmen liegen mit 60 Prozent „Beraternutzung in den letzten Jahren“ und 36 Prozent geplanter Nutzung weit hinter allen anderen Ländern, egal ob in West- oder Osteuropa.
Wo liegen die Gründe für den Beratereinsatz?
Der Hauptgrund für die Nutzung von Beratern liegt für Unternehmen in Tschechien, Slowenien und Ungarn eindeutig in der Fachexpertise der Berater. 60 Prozent der Führungskräfte geben dies als Beweggrund für das Hinzuziehen von Beratern an. Dicht gefolgt vom neutralen Blick von außen ( 56 Prozent).
Prozessexpertise und Kapazitätsgründe folgen an 3. und 4. Stelle. Benchmarking geben nur 15 Prozent der osteuropäischen Manager als Grund für den Einsatz von Beratern an.
Dass durch Miteinbeziehen eines Beraters die Verantwortung mit demselben geteilt werden kann, ist nur für 7 Prozent der Befragten der Grund für den Beratereinsatz.
Vergleicht man die drei osteuropäischen Länder untereinander, so zeigt sich, dass vor allem slowenische Unternehmen die Fachexpertise der Berater schätzen. 74 Prozent geben dies als Hauptgrund an. Ungarischen Unternehmen hingegen ist vor allem der neutrale Blick von außen wichtig. Wichtiger als das Fachwissen. Tschechische Unternehmen legen auf beides gleich viel wert.
Verglichen mit den Ergebnissen der vorangegangenen Befragung in Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigen sich sehr deutliche Unterschiede. So ist den westeuropäischen Managern vor allem der neutrale Blick von außen, weniger jedoch die Fachexpertise wichtig. 66 Prozent der Unternehmen geben den neutralen Blick von außen als Beweggrund für den Einsatz von Beratern an, und nur 37 Prozent die Fachexpertise.
Innerhalb der 3 westeuropäischen Länder gibt es dann kaum nennenswerte Unterschiede.
Welche Kriterien sind bei der Beraterauswahl ausschlaggebend?
Die Entscheidung für die Auswahl des Beraters ist am meisten abhängig von den Branchenkenntnissen des Beraters (31 Prozent). Danach orientieren sich die Führungskräfte von Großunternehmen bei der Auswahl eines Beraters nach vorliegenden Referenzen (25 Prozent).
Um eine Entscheidung für die Beauftragung eines Beraters treffen zu können, orientieren sich
14 Prozent der befragten Führungskräfte nach dem persönlichen Eindruck, dies trifft vor allem auf ungarische Führungskräfte zu (20 Prozent).
Die Kosten und das Beratungskonzept werden nur zu je 13 Prozent als Auswahlkriterium angegeben, in der Realität dürfte der Kostenfaktor aber bedeutender sein. Nur die „kleineren“ Großunternehmen (100 bis 249 Beschäftigte) geben in höherem Ausmaß zu, dass die Kosten bei der Auswahl des Beraters doch eine entscheidende Rolle spielen. Ebenso die Eigentümer geführten Unternehmen. 19 Prozent geben an, dass die Kosten ein ausschlaggebendes Kriterium darstellen, wogegen nur 7 Prozent der Management geführten Unternehmen dies angeben.
Betrachtet man die einzelnen Länder so zeigt sich, dass vor allem osteuropäische Länder Referenzen als wichtiges Kriterium für die Wahl eines Beraters erachten. Vor allem tschechische Führungskräfte. 49 Prozent geben an, dass die Referenzen des Beraters ein ausschlaggebendes Kriterium darstellten. Aber auch 36 Prozent der slowenischen Unternehmen. In den westeuropäischen Ländern und Ungarn spielen Referenzen hingegen keine so bedeutende Rolle. Hier sind vor allem Branchenkenntnisse ausschlaggebend.
Weiters hat das Beratungskonzept einen unterschiedlichen Stellenwert. Während es für westeuropäische Unternehmen wichtig ist. Messen osteuropäische Unternehmen dem Beratungskonzept bei der Auswahl eines Beraters relativ wenig Bedeutung bei.
In welchen Bereichen werden Berater am häufigsten eingesetzt?
Betrachtet man alle 6 Länder, so zeigt sich, dass Externe Berater vor allem aus dem Bereich Organisationsberatung zum Einsatz kamen (41 Prozent). Dicht gefolgt von Beratern aus der IT und Prozessberatung mit je 38 Prozent.
Interessant ist der Ländervergleich: In tschechischen Unternehmen kamen am häufigsten Personalberater (57 Prozent), in ungarischen am häufigsten Organisationsberater (45 Prozent) und in slowenischen Unternehmen am häufigsten Berater aus den Bereichen Marketing, Werbung und Marktforschung (50 Prozent) zum Einsatz.
Während in Deutschland, Österreich und der Schweiz eher Berater zur Optimierung des gesamten Unternehmens herangezogen werden (Organisations- und Prozessberatung), werden in Unternehmen der neuen EU-Mitgliedsstaaten eher Berater für einzelne Bereiche herangezogen, vor allem für Finanzberatung.
Die Zufriedenheit mit dem Beratereinsatz im jeweiligen Bereich liegt durchgehend gut zwischen 2,2 und 2,4 auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5. Hier gibt es auch keine nennenswerten Unterschiede zwischen west- und osteuropäischen Ländern.














